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Cottbus bekommt durch den Kohleausstieg so viel Geld wie kaum eine andere Stadt in Deutschland: Allein die vier größten Vorhaben, von der neuen Medizinischen Universität bis zum ICE-Werk der Bahn, summieren sich auf rund 5,7 Milliarden Euro. Für Gründerinnen und Gründer gibt es in der Lausitz eigene Förderwege, etwa ein Startgeld für junge Unternehmen und Zuschüsse für eine neue Betriebsstätte. Ob sich der Standort lohnt, hängt aber weniger an den Milliarden als an der Frage, ob ein Startup dort Kunden, Fachkräfte und Partner findet.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Bund gibt den Kohleregionen bis 2038 bis zu 40 Milliarden Euro: 14 Milliarden als Finanzhilfen an die Länder und bis zu 26 Milliarden für eigene Vorhaben.
- Für die brandenburgische Lausitz sind es 10,3 Milliarden Euro, davon waren im August 2025 bereits 8,7 Milliarden gebunden.
- Die Medizinische Universität Lausitz in Cottbus soll bis 2038 rund 3,7 Milliarden Euro an Investitionen erhalten.
- Das ICE-Werk der Bahn wird vom Bund mit einer Milliarde Euro gefördert und soll 1.200 Arbeitsplätze bieten.
- Cottbus hatte am 31. Oktober 2025 genau 95.042 Einwohnerinnen und Einwohner.
- Für Unternehmen in der Lausitz stehen aus dem EU-Fonds für einen gerechten Übergang rund 238 Millionen Euro bereit, davon rund 170 Millionen für kleine und mittlere Betriebe.
Welche Kriterien bei der Wahl eines Standorts generell zählen, haben wir in unseren Kriterien für die Standortwahl von Startups zusammengefasst. Hier geht es um die Lausitz und um Cottbus.
Strukturwandel Lausitz: Wie viel Geld in die Region fließt
Grundlage ist das Strukturstärkungsgesetz von 2020 mit dem Investitionsgesetz Kohleregionen. Es arbeitet mit zwei Armen. Über den ersten bekommen die Länder bis 2038 Finanzhilfen von bis zu 14 Milliarden Euro für eigene Investitionen, verteilt auf drei Förderperioden: bis zu 5,5 Milliarden Euro bis 2026, bis zu 4,5 Milliarden Euro von 2027 bis 2032 und bis zu 4 Milliarden Euro von 2033 bis 2038. Über den zweiten Arm setzt der Bund selbst Vorhaben im Umfang von bis zu 26 Milliarden Euro um, etwa Bahnstrecken, Forschungsinstitute und Behördenstandorte.
Die Finanzhilfen sind fest aufgeteilt: 43 Prozent gehen in das Lausitzer Revier, davon 60 Prozent nach Brandenburg und 40 Prozent nach Sachsen, 37 Prozent in das Rheinische Revier und 20 Prozent in das Mitteldeutsche Revier. Für die brandenburgische Lausitz kommen aus beiden Armen zusammen 10,3 Milliarden Euro. Nach der Zwischenbilanz der Landesregierung vom August 2025 waren davon bereits 8,7 Milliarden Euro gebunden.
Von den 3,6 Milliarden Euro, die das Land aus dem ersten Arm selbst einsetzt, fließen nach dieser Bilanz etwa zwei Drittel in die Wirtschaft und ein Drittel in Bereiche wie Fachkräfte und Daseinsvorsorge. Der Lausitz-Beauftragte des Landes, Klaus Freytag, zieht eine klare Linie: In der Lausitz seien bereits mehr neue Arbeitsplätze entstanden, als in der Berg- und Energiewirtschaft weggefallen sind.
Die Großprojekte in Cottbus und was sie kosten
Cottbus ist das Zentrum dieses Umbaus. Vier Vorhaben prägen die Stadt, und zusammengerechnet erreichen sie die Größenordnung, die oft genannt wird, wenn von fünf Milliarden für Cottbus die Rede ist.
| Vorhaben in Cottbus | Investition | Stand |
|---|---|---|
| Medizinische Universität Lausitz (MUL-CT) | rund 3,7 Milliarden Euro bis 2038 | Studienstart im Wintersemester 2026/27 mit 38 Studierenden, im Vollausbau rund 200 Absolventen im Jahr |
| ICE-Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn | 1 Milliarde Euro Förderung des Bundes | Halle 2 bereits in Betrieb, Halle 1 ab Anfang 2027, insgesamt 1.200 Arbeits- und Ausbildungsplätze |
| Lausitz Science Park | rund 500 Millionen Euro aus Arm 1 und über 200 Millionen Euro aus Arm 2 | Spatenstich für den Forschungscampus am 1. Oktober 2026, Partner unter anderem DLR, Fraunhofer und Leibniz |
| Zweigleisiger Ausbau Lübbenau–Cottbus | rund 265 Millionen Euro | 29 Kilometer, Baubeginn Ende 2026 |
| Summe | rund 5,7 Milliarden Euro |

Die Angaben zur Universität, zum Bahnwerk und zum Science Park stammen aus den Mitteilungen der Landesregierung, zuletzt vom Kabinett vor Ort in Cottbus am 13. Oktober 2026, die Bahnstrecke nach dem Tagesspiegel. Für Gründer zählt dabei weniger die Summe als das, was daraus folgt: ein Klinikum mit Universität, ein Industriebetrieb mit Hunderten Fachkräften und ein Forschungscampus, die alle Dienstleister, Software und Zulieferer brauchen.
Wächst Cottbus? Einwohner und Arbeitsmarkt
Cottbus hatte am 31. Oktober 2025 nach dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 95.042 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Stadt ist damit kleiner, als die oft genannte Marke von 100.000 vermuten lässt. Ein Teil des Unterschieds geht auf den Zensus 2022 zurück, der die Einwohnerzahlen bundesweit neu geeicht hat.
Die Stadtspitze will mehr. „Cottbus soll und wird wachsen“, sagte Oberbürgermeister Tobias Schick beim Kabinett vor Ort. Die Arbeitslosenquote liegt nach den Angaben vom Oktober 2026 in der Stadt bei rund acht Prozent und im gesamten Agenturbezirk Cottbus bei rund sechs Prozent. Für ein Startup heißt das: Es gibt Menschen, die Arbeit suchen, und gleichzeitig konkurriert man mit Bahn, Klinikum und Forschung um Fachkräfte.
Förderung für Gründer in Cottbus und der Lausitz
Drei Wege sind für junge Unternehmen in der Lausitz am wichtigsten. Beraten wird bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) im eigenen Lausitzbüro.
Startgeld und JTF-Unternehmensförderung
Aus dem EU-Fonds für einen gerechten Übergang (Just Transition Fund) stehen für die Unternehmensförderung in der Lausitz nach Angaben der ILB rund 238 Millionen Euro bereit, davon rund 170 Millionen Euro für kleine und mittlere Unternehmen. Für Betriebe, die nicht älter als drei Jahre sind, gibt es ein Startgeld, das über zwölf Monate gezahlt werden kann. Es soll verhindern, dass junge Unternehmen aus der Region abwandern. Dazu kommt eine Transformationsberatung für Betriebe, die ihr Geschäft neu ausrichten.
GRW-Förderung für eine neue Betriebsstätte
Wer in eine neue oder größere Betriebsstätte investiert und dabei Dauerarbeitsplätze schafft, kann über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) einen Zuschuss bekommen. In den C-Fördergebieten Brandenburgs beträgt der Basisfördersatz 10 Prozent und der Höchstsatz 15 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Kleine Unternehmen können einen Zuschlag von 20 Prozentpunkten erhalten, mittlere von 10. In Gebieten an der Grenze zu Polen ist ein weiterer Zuschlag von 10 Prozentpunkten möglich. So steht es in der Förderdatenbank des Bundes. Welche Gemeinde C- oder D-Fördergebiet ist, regelt die Richtlinie in einer Anlage, und Investoren bringen mindestens 25 Prozent Eigenbeteiligung ein.
Förderung für innovative Gründungen
Für technologieorientierte Gründungen gibt es in Brandenburg zusätzlich das Landesprogramm „Gründung innovativ“ der ILB. Bundesweite Programme wie EXIST oder die Angebote aus unserer Übersicht der wichtigsten Förderprogramme für Startups gelten in der Lausitz genauso.
Betriebsstätte in Cottbus: Wann sich das für Gründer lohnt
Eine Betriebsstätte ist mehr als eine Briefkastenadresse. Gefördert wird nur, was vor Ort wirklich stattfindet: Räume, Ausstattung und Arbeitsplätze, die über Jahre bestehen bleiben. Wer eine Betriebsstätte in Cottbus anmeldet, braucht eine eigene Gewerbeanmeldung für den Standort, und die Gewerbesteuer wird dann nach der Lohnsumme zwischen den Gemeinden aufgeteilt.
Für diese Gründer kann sich der Schritt besonders lohnen:
- Startups, deren Kunden in der Region sitzen, etwa Klinikum und Universität, Bahn, Energieunternehmen oder die öffentliche Verwaltung.
- Teams aus Gesundheit, Energie, Mobilität und Industrie, die mit DLR, Fraunhofer oder der BTU Cottbus-Senftenberg forschen wollen.
- Unternehmen, die Fläche brauchen, etwa für Fertigung, Labor oder Lager, und dafür Investitionszuschüsse nutzen können.
Für ein reines Softwarestartup mit Kunden in ganz Europa ist die Lage eine andere. Dort entscheidet, wo das Team gern lebt und arbeitet. Eine Betriebsstätte als zweiter Standort kann trotzdem sinnvoll sein, wenn das Unternehmen in der Region wachsen und einstellen will.
Wo der Bund noch Milliarden in Regionen lenkt
Die Lausitz ist nicht die einzige Region, in die gezielt Bundesgeld fließt. Das Rheinische Revier zwischen Aachen und Köln bekommt 37 Prozent der Finanzhilfen aus dem Strukturstärkungsgesetz, das Mitteldeutsche Revier um Leipzig und Halle 20 Prozent. Dazu kommen dort ebenfalls Bundesvorhaben aus dem zweiten Arm.
Außerhalb der Kohleregionen ist Dresden das bekannteste Beispiel. Für die Chipfabrik von ESMC, einem Gemeinschaftsunternehmen von TSMC mit Bosch, Infineon und NXP, hat die EU-Kommission im August 2024 eine Beihilfe von fünf Milliarden Euro genehmigt. Und der neue KI-Plan der Bundesregierung sieht bis 2030 25 zusätzliche Testzentren und Reallabore für KI vor; was er für Gründer bedeutet, steht in unserem Beitrag zum KI-Gipfel der Bundesregierung.
Müssen Gründer heute dem Standort folgen?
Nein, nicht grundsätzlich. Für die meisten Gründungen bleiben Idee, Markt und Team wichtiger als die Postleitzahl, und niemand sollte nur wegen einer Förderquote umziehen. Aber der Standort ist heute ein echter Hebel geworden, den man kennen sollte. Wo der Staat Milliarden investiert, entstehen Kunden, Forschungspartner und Fördertöpfe, die es anderswo so nicht gibt.
Unsere Einschätzung: Cottbus ist für Gründer aus Gesundheit, Energie, Mobilität und öffentlicher Verwaltung einer der interessantesten Standorte in Deutschland, weil hier gerade Abnehmer entstehen. Der klügste Weg ist oft nicht der Umzug, sondern eine zweite Betriebsstätte, die mit den ersten Aufträgen wächst. Wer das prüfen will, spricht zuerst mit dem Lausitzbüro der ILB und mit der Wirtschaftsregion Lausitz, bevor ein Mietvertrag unterschrieben ist.
Häufige Fragen zu Cottbus und dem Strukturwandel
Wie viel Geld bekommt die Lausitz für den Strukturwandel?
Für die brandenburgische Lausitz sind es 10,3 Milliarden Euro aus dem Strukturstärkungsgesetz, für alle Kohleregionen zusammen bis zu 40 Milliarden Euro bis 2038. Der sächsische Teil der Lausitz bekommt zusätzlich eigene Mittel.
Wie viele Einwohner hat Cottbus?
Am 31. Oktober 2025 lebten in Cottbus 95.042 Menschen. Die Zahl stammt aus der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg.
Welche Förderung gibt es für Gründer in der Lausitz?
Wichtig sind das Startgeld aus der JTF-Unternehmensförderung für Betriebe bis drei Jahre, die GRW-Förderung für Investitionen in eine Betriebsstätte und das Landesprogramm „Gründung innovativ“. Bundesprogramme wie EXIST gelten zusätzlich.
Was ist das Startgeld in der Lausitz?
Das Startgeld ist Teil der JTF-Unternehmensförderung des Landes Brandenburg. Kleine und mittlere Unternehmen, die nicht älter als drei Jahre sind, können es über zwölf Monate erhalten, damit sie in der Region bleiben.
Was ist die GRW-Förderung?
Die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ fördert Investitionen in strukturschwachen Regionen mit Zuschüssen, wenn dabei Dauerarbeitsplätze entstehen oder gesichert werden. Bund und Länder finanzieren sie gemeinsam.
Wer berät zur Förderung in der Lausitz?
Die Investitionsbank des Landes Brandenburg berät im Lausitzbüro zu JTF und GRW. Für größere Projekte aus dem Strukturwandel ist die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH die Anlaufstelle.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt. Grundlage sind das Investitionsgesetz Kohleregionen, Mitteilungen der Landesregierung Brandenburg, die Angaben der ILB, die Förderdatenbank des Bundes und die amtliche Bevölkerungsstatistik. Dieser Beitrag ist keine Förder- oder Steuerberatung.



















