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Seit 1. November 2026 kostet jede Online-Bestellung aus einem Land außerhalb der EU mehr. Zum Pauschalzoll von 3 Euro, der seit 1. Juli gilt und oft Temu Zoll genannt wird, kommt eine neue Bearbeitungsgebühr der EU von 2 Euro. Beide Beträge fallen je Warenkategorie an, also je Position der Zollanmeldung, nicht je Paket. Ein Paket von Temu, Shein oder AliExpress mit einem einzigen Artikel kostet damit mindestens 5 Euro mehr als vor Juli. Dazu kommen wie bisher 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer, und diese Steuer wird jetzt auch auf Zoll und Gebühr berechnet.
16 Millionen Menschen in Deutschland haben 2025 bei Temu oder Shein bestellt, laut Handelsverband HDE im Schnitt für gut 34 Euro je Bestellung. Bei solchen Beträgen fallen 5 Euro je Warenkategorie stark ins Gewicht. Für Händler in der EU wird der Preisvorteil asiatischer Anbieter kleiner. Gründer sehen an der neuen Regel, wie schnell eine Verordnung ein Geschäftsmodell verteuern kann, und wo daraus neue Märkte entstehen, etwa für Zolldienste und Lager in der EU. Wenn du selbst einen Shop planst, findest du die Grundlagen in unserem Ratgeber zum eigenen Onlineshop.
Inhaltsverzeichnis
- Temu Zoll 2026: Was seit 1. November gilt
- Was ein Temu-Paket jetzt kostet: zwei Rechenbeispiele
- Wie viel von Temu, Shein und Co. kommt
- Belgien zeigt, was der Temu Zoll bewirkt
- Welche Einnahmen sich die EU erhofft
- Gewinner und Verlierer des Temu Zolls
- Was Online-Händler jetzt beachten müssen
- Was Käufer bei Temu, Shein und AliExpress beachten sollten
- Rettet der Temu Zoll den Handel?
- Wenn der Staat die Regeln ändert: Was Gründer daraus lernen
Temu Zoll 2026: Was seit 1. November gilt
Seit November zahlen Käufer zwei Abgaben je Warenkategorie: 3 Euro Zoll und 2 Euro Bearbeitungsgebühr. Der Zoll gilt für Sendungen bis 150 Euro, die Gebühr für alle Bestellungen im Fernabsatz aus Drittländern, auch für teurere.
Die EU hat die Zollfreiheit für Sendungen bis 150 Euro mit der Verordnung (EU) 2026/382 zum 1. Juli 2026 gestrichen. Seitdem gilt ein Pauschalzoll von 3 Euro je Warenkategorie, wenn Ware aus einem Drittland direkt an Kunden in der EU verschickt wird. Der Rat hat diesen Satz bis 1. Juli 2028 befristet, danach sollen wieder prozentuale Zollsätze gelten.
Seit 1. November kommt die Bearbeitungsgebühr der Union dazu, beim Zoll auch Union Handling Fee oder Abfertigungspauschale genannt. Sie beträgt 2 Euro je Warenkategorie und fällt laut Zoll unabhängig vom Warenwert an. Die Höhe hat die EU-Kommission per delegierter Verordnung (EU) 2026/2152 festgelegt. Die Gebühr entsteht, sobald der Zoll die Anmeldung annimmt, und sie wird nicht erstattet. Zoll und Gebühr zählen außerdem zur Bemessungsgrundlage der Einfuhrumsatzsteuer.
Was eine Warenkategorie ist: Gemeint ist jede eigene Position in der Zollanmeldung, also jede unterschiedliche Zolltarifnummer. Zehn Paar Socken sind eine Kategorie. Socken, Kabelbinder und Hosen in einem Paket sind drei, der Zoll rechnet dafür auf seiner Seite 9 Euro Zoll und 6 Euro Gebühr vor. Die oft gehörte Formel „2 Euro je Paket“ stimmt also nur für Pakete mit einer einzigen Warenkategorie.
Ebenfalls seit 1. November gilt eine neue Pflicht für Sendungen bis 150 Euro: In der Zollanmeldung muss eine Produktkennung stehen, etwa die GTIN oder EAN, eine Modellnummer des Herstellers oder die Artikelnummer der Plattform.
Was ein Temu-Paket jetzt kostet: zwei Rechenbeispiele
Ein einzelnes T-Shirt für 8 Euro wird durch Zoll und Gebühr um 5,95 Euro teurer, das sind 62,5 Prozent mehr als im Juni. Ein Warenkorb mit drei Warenkategorien für 30 Euro kostet 17,85 Euro mehr.
Beide Beispiele rechnen mit dem Warenwert einschließlich Versand und mit 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer, die seit Juli auch auf den Zoll und seit November auf die Gebühr anfällt.
| Zeitraum | Ein T-Shirt, 8 Euro | Drei Warenkategorien, 30 Euro |
|---|---|---|
| Vor Juli 2026 (nur Einfuhrumsatzsteuer) | 9,52 € | 35,70 € |
| Juli bis Oktober 2026 (3 Euro Zoll je Kategorie) | 13,09 € | 46,41 € |
| Seit November 2026 (plus 2 Euro Gebühr je Kategorie) | 15,47 € | 53,55 € |
| Mehrkosten gegenüber Juni | +5,95 € (+62,5 %) | +17,85 € (+50 %) |
Ob ein Käufer den vollen Betrag sieht, entscheidet am Ende die Plattform. Formell schuldet die Abgaben, wer die Ware beim Zoll anmeldet, also meist die Plattform oder ihr Logistikpartner. Die meisten geben die Kosten über den Preis weiter. Temu hat laut einer Reuters-Meldung einigen Kunden bereits Rabatte auf die neuen Gebühren angeboten.
Am härtesten trifft es billige Einzelteile. Bei einem Artikel für 2 Euro kommen zu 5 Euro Zoll und Gebühr noch 95 Cent Steuer, zusammen fast das Dreifache des Warenwerts.
Wie viel von Temu, Shein und Co. kommt
Temu und Shein setzten 2025 in Deutschland rund 4,7 Milliarden Euro um, das sind etwa 5 Prozent des Onlinehandels von 92,3 Milliarden Euro. Gemessen am gesamten Einzelhandel liegt ihr Anteil unter einem Prozent.
Die Zahlen stammen aus dem HDE Online-Monitor 2026, den das IFH Köln für den Handelsverband Deutschland erstellt. Anbieter aus dem Ausland, die ohne Lager in Deutschland direkt hierher liefern, kamen 2025 auf 11,8 Prozent des Onlineumsatzes, rund 10,9 Milliarden Euro. Den größten Anteil davon haben Temu und Shein mit rund 4,7 Milliarden Euro. 16,0 Millionen Menschen in Deutschland haben dort bestellt, nach 14,4 Millionen im Jahr davor, und die durchschnittliche Bestellung stieg von 24,95 auf 34,15 Euro. China ist mit Abstand das häufigste Herkunftsland von Auslandsbestellungen.

Weil der Onlinehandel laut HDE 13,5 Prozent des gesamten Einzelhandels ausmacht, kommen Temu und Shein auf weniger als ein Prozent aller Einzelhandelsumsätze in Deutschland. In einzelnen Branchen ist ihr Gewicht deutlich größer: Im Online-Modehandel gingen laut Händlerbund zuletzt mehr als 16 Prozent aller Bestellungen an asiatische Anbieter.
Die Menge der Pakete ist trotzdem gewaltig. Laut EU-Kommission kamen 2024 rund 4,6 Milliarden Kleinsendungen unter 150 Euro in die EU, 12 Millionen am Tag und doppelt so viele wie 2023. 2025 waren es nach Angaben der Kommission, die Reuters zitiert, schon 5,8 Milliarden, ein Plus von 26 Prozent. Der deutsche Zoll fertigte 2025 knapp 790 Millionen Warensendungen ab, nach 595 Millionen im Jahr davor, wie ZDFheute aus der Jahresbilanz berichtet.
Belgien zeigt, was der Temu Zoll bewirkt
Belgien ist das Land, an dem sich die Wirkung am besten ablesen lässt: Der belgische Zoll hat seit 1. Juli 364 Millionen Euro aus dem Pauschalzoll eingenommen, im Schnitt 28 Millionen Euro pro Woche. Ein Viertel davon darf Belgien behalten, der Rest fließt in den EU-Haushalt.
Der Grund für die hohen Summen liegt in Lüttich. Über den dortigen Frachtflughafen kamen im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Pakete an. Wer dort verzollt, nimmt den Zoll für Käufer in ganz Europa ein. Die Zahlen hat der belgische Zoll Ende Oktober vorgelegt, berichtet der Sender VRT.

Noch auffälliger ist die Menge. Von Juli bis September meldeten Versender 65 Prozent weniger günstige Pakete an als im Vorjahreszeitraum. Im September waren es 29 Millionen, im Juni noch 166 Millionen, ein Minus von 82 Prozent. Gleichzeitig verdoppelte sich der durchschnittliche Warenwert je Sendung von 6 auf 12 Euro.
Das heißt nicht, dass die Europäer 82 Prozent weniger bestellen. Ein Teil der Käufer bündelt Bestellungen, damit sich Zoll und Gebühr auf mehr Ware verteilen. Ein anderer Teil der Ware kommt gar nicht mehr als Einzelpaket, sondern in Containern in europäische Lager und wird von dort verschickt. Ab November sinkt die Zahl der Kleinsendungen vermutlich weiter, weil die Gebühr jede Warenkategorie noch einmal um 2 Euro verteuert.
Welche Einnahmen sich die EU vom Temu Zoll erhofft
Die EU-Kommission rechnet laut einem internen Dokument, über das Reuters berichtet, mit rund 6 Milliarden Euro im Jahr aus Zoll und Gebühr für den EU-Haushalt der Jahre 2028 bis 2034.
Nach dem Vorschlag der Kommission sollen davon künftig 90 Prozent an die EU gehen und 10 Prozent bei den Mitgliedstaaten bleiben. Heute behalten die Staaten 25 Prozent als Ausgleich für die Kosten der Erhebung, so wie Belgien. Ob es bei der neuen Aufteilung bleibt, entscheiden die Verhandlungen über den nächsten EU-Haushalt.
Offiziell geht es der EU um drei Dinge: Die Gebühr soll die stark gestiegenen Kosten der Zollkontrollen decken. Händler in der EU, die auf ihre Importe in aller Regel Zoll zahlen, sollen gleiche Bedingungen bekommen. Und die Kommission will mehr unsichere Produkte abfangen, denn viele der kontrollierten Billigwaren entsprachen nicht den EU-Vorschriften. Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel sieht noch einen Nebeneffekt: Wenn die Anbieter eigene Lager in Europa aufbauen, kommt Ware in Containern statt in kaum kontrollierbaren Einzelpaketen.
Gewinner und Verlierer des Temu Zolls
Gewinner sind die Staatskassen, Händler mit Lager in der EU und die Logistik in Europa. Verlierer sind Käufer mit kleinem Budget, kleine Shops, die einzeln aus China versenden, und alle, die viele verschiedene Kleinteile bestellen.
Wer gewinnt
- EU-Haushalt und Staaten mit Drehkreuzen: Belgien zeigt, wie schnell hier dreistellige Millionenbeträge zusammenkommen.
- Händler mit Ware in der EU: Ihr Preisabstand zu Asien schrumpft. Amazon liefert laut Reuters 97 Prozent seiner in der EU verkauften Produkte aus Lagern in der EU und ist von den Gebühren kaum betroffen.
- Lager, Fulfillment und Zolldienstleister: Wer Ware in Containern statt in Einzelpaketen einführt, braucht Lagerflächen, Verzollung und Versand in Europa.
- Paketdienste und die Post: Zugestellt wird am Ende jedes Paket, ob es aus Shenzhen kommt oder aus einem Lager in Polen.
Bei der Post kommt ein zweiter Punkt dazu. Die Bundesnetzagentur will ihr für 2027 und 2028 laut etailment einen Spielraum von 20,35 Prozent für Briefe geben, der Standardbrief könnte damit von 95 Cent auf 1,14 Euro steigen. Für Pakete von Privatkunden sind bis zu 10,72 Prozent vorgesehen, entschieden ist das noch nicht. Und wenn DHL bei einer Sendung aus einem Drittland Zoll und Steuer vorstreckt, berechnet das Unternehmen seit März 2025 eine Auslagenpauschale von 7,50 Euro. Die Post verdient also fast immer mit, egal, wie die Regeln sich ändern.
Wer verliert
- Käufer mit kleinem Budget: Wer auf günstige Preise angewiesen ist, zahlt jetzt spürbar mehr, gerade für Kleinigkeiten.
- Kleine Shops und Dropshipper: Wer einzeln aus China an Endkunden versendet, muss je Warenkategorie 5 Euro plus Steuer einpreisen.
- Bastler, Maker und Modellbauer: Eine Bestellung mit zehn verschiedenen Bauteilen trägt zehnmal Zoll und zehnmal Gebühr.
- Frachtflughäfen mit viel E-Commerce: In Lüttich ist die Zahl der Kleinsendungen eingebrochen.
Die Risiken: Der Temu Zoll trifft das Einzelpaket, nicht das Geschäftsmodell. Verlagern die Plattformen ihre Ware in europäische Lager, werden sie nicht kleiner, sondern schneller. Für Haushalte steigen die Preise in einer Zeit, in der viele ohnehin rechnen müssen. Und kleine Shops tragen mehr Verwaltung, etwa für die neue Produktkennung. Wer Sendungen zum Schein aufteilt oder falsch anmeldet, um Abgaben zu sparen, riskiert Ärger: Der Zoll achtet nach Artikel 243 der Durchführungsverordnung zum Zollkodex ausdrücklich auf die Aufmachung der Ware.
Was Online-Händler jetzt beachten müssen
Händler, die aus Drittländern direkt an Kunden in der EU liefern, sollten jede Warenkategorie mit 5 Euro plus Einfuhrumsatzsteuer kalkulieren, die Produktkennung pflegen und prüfen, ob sich ein Lager in der EU lohnt.
- Je Warenkategorie kalkulieren: Rechne Zoll und Gebühr nicht je Paket, sondern je Position der Zollanmeldung. Ein Sortiment aus vielen billigen Kleinteilen leidet am stärksten, Bündel aus gleichen Artikeln am wenigsten.
- Produktkennung pflegen: Seit 1. November braucht jede Zollanmeldung bis 150 Euro eine Kennung, am besten GTIN oder EAN. Kläre mit deinem Logistiker, aus welchem Feld deines Shops er die Kennung zieht.
- IOSS prüfen: Wer die Einfuhrumsatzsteuer über den Import-One-Stop-Shop abrechnet, muss Zoll und Gebühr in die Bemessungsgrundlage aufnehmen und die Sicherheit beim Zoll anpassen. Wie das Verfahren funktioniert, steht in unserem Ratgeber zum One-Stop-Shop.
- Lager in der EU durchrechnen: Ware, die als normale Handelssendung in ein Lager in der EU eingeführt wird, unterliegt dem regulären Zolltarif statt dem Pauschalzoll, und die Bearbeitungsgebühr knüpft an den Fernabsatz an. Ob sich das für dein Sortiment lohnt, rechnet dir ein Zolldienstleister für deine Tarifnummern aus.
- Dropshipping neu bewerten: Das klassische Modell mit Einzelversand aus China verliert seinen Preisvorteil. Was trotzdem trägt, zeigt unser Leitfaden zum Dropshipping.
- Eigene Stärken zeigen: Wer aus Deutschland oder der EU liefert, kann mit kurzer Lieferzeit, einfacher Rückgabe und Preisen ohne Zollaufschlag werben. Wer Eigenmarken importiert, sollte zusätzlich die neuen Verpackungsregeln kennen.
- Liquidität planen: Zoll und Einfuhrumsatzsteuer gehen in Vorleistung, bevor die Ware verkauft ist. Halte Firmen- und Privatgeld getrennt, passende Konten findest du in unserem Geschäftskonto-Vergleich.
Für die Zollpapiere selbst hilft unser Überblick zur Proforma-Rechnung. Bei Fragen zu deinem eigenen Fall ist ein Zolldienstleister oder die Zollauskunft der richtige Ansprechpartner, dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Was Käufer bei Temu, Shein und AliExpress beachten sollten
Schau auf den Endpreis im Warenkorb, bestelle lieber mehrere gleiche als viele verschiedene Artikel und rechne bei Rücksendungen damit, dass Zoll und Gebühr nicht zurückkommen.
- Endpreis prüfen: Große Plattformen rechnen Steuer und Zoll meist schon beim Kauf ab. Fehlt das, zahlst du bei der Zustellung, und der Paketdienst berechnet oft eine eigene Pauschale dazu.
- Warenkategorien zählen: Fünf gleiche Handyhüllen kosten einmal 5 Euro Abgaben, fünf verschiedene Artikel fünfmal.
- Rücksendungen bedenken: Der Zoll erstattet die Gebühr nicht. Ob die Plattform sie dir bei einer Rückgabe gutschreibt, regeln ihre eigenen Bedingungen.
- Mit Händlern in der EU vergleichen: Der Preisabstand ist kleiner geworden. Kürzere Lieferzeit, einfache Rückgabe und Produkte nach EU-Vorschriften sind ein Teil des Preises.
- Geschenke unterscheiden: Pakete von privat an privat sind kein Fernabsatz, für sie gelten eigene Regeln.
Rettet der Temu Zoll den Handel? Deutschland ist vor allem teuer
Allein retten kann der Zoll den Handel nicht, dafür ist der Anteil von Temu und Shein mit unter einem Prozent des Einzelhandels zu klein. Das größere Thema sind die Preise im eigenen Land.
Man kann die neuen Abgaben als fairen Ausgleich sehen. Händler in der EU zahlen auf ihre Warenimporte in aller Regel Zoll und halten sich an teure Regeln für Sicherheit und Verpackung, Temu-Pakete bis 150 Euro waren davon befreit. Man kann darin aber auch einen Eingriff sehen, der Preise per Abgabe angleicht, statt den Wettbewerb über bessere Angebote zu führen. Mancher fühlt sich da eher an Planwirtschaft erinnert als an freien Markt. Beide Sichtweisen haben etwas für sich.
Ein Blick über die Grenze zeigt, wo das eigentliche Problem liegt. Als wir zuletzt in Polen unterwegs waren, fiel uns das bei fast jedem Einkauf auf: Vieles kostete dort rund 30 Prozent weniger als bei uns. Die Statistik bestätigt den Eindruck. Das Preisniveau der privaten Konsumausgaben lag 2025 in Deutschland laut Destatis 8,3 Prozent über dem EU-Durchschnitt, in Polen laut Eurostat 27 Prozent darunter. Damit ist der Alltag in Polen rund ein Drittel günstiger als in Deutschland.

Zur Wahrheit gehört: Auch die Löhne sind in Polen niedriger, wie unser Überblick zum Durchschnittsgehalt in Polen zeigt, und Eurostat bereinigt die Preise nicht um Einkommen. Trotzdem zeigt der Vergleich, dass Europa nicht pauschal zu teuer ist. Deutschland ist es, aus vielen Gründen, von Mieten und Löhnen bis zu Energie und Abgaben. Wer den Handel hier stärken will, muss deshalb auch über die eigenen Kosten sprechen und nicht nur über die Pakete aus China.
Wenn der Staat die Regeln ändert: Was Gründer daraus lernen
Der Staat kann jede Regel ändern, und Geschäftsmodelle, die auf einer Ausnahme beruhen, sind besonders verwundbar. Gleichzeitig schafft jede neue Pflicht einen Markt mit festem Stichtag.
Das Modell „billig direkt aus China ohne Zoll“ lebte von der 150-Euro-Grenze. Es war nicht die erste Ausnahme, die fiel: Schon am 1. Juli 2021 strich die EU die Freigrenze von 22 Euro für die Einfuhrumsatzsteuer und führte den One-Stop-Shop ein. Wer damals sein Modell auf diese Grenze gebaut hatte, musste neu rechnen. Daraus lassen sich drei Lehren ziehen.
1. Prüfe, worauf dein Vorteil beruht
Steht hinter deinem Preis eine Ausnahme, eine Förderung oder eine Lücke im Gesetz, dann ist sie Teil deines Risikos. Rechne einmal durch, was passiert, wenn sie wegfällt, und plane den Weg, der auch danach trägt. Bei Händlern war das in diesem Jahr das Lager in der EU.
2. Neue Pflichten sind neue Märkte
Im Goldrausch verdienten oft die am sichersten, die Schaufeln verkauften. Neue Regeln funktionieren ähnlich. Als 2018 die DSGVO kam, brauchten Millionen Websites ein Einwilligungsbanner, und das Münchner Startup Usercentrics, gegründet 2017, wuchs mit genau dieser Software für die DSGVO. Mit der E-Rechnungspflicht ab 2025 entstand ein Markt für Rechnungssoftware, mit dem Verpackungsregister einer für Lizenzdienste.
3. Probleme schlagen Trends
Wer einem Trend hinterherläuft, konkurriert mit allen, die denselben Trend sehen. Eine neue Pflicht dagegen hat einen Stichtag, Kunden, die handeln müssen, und ein Budget dafür. Die Frage ist nicht, was gerade alle spannend finden, sondern was ab einem bestimmten Datum alle lösen müssen.
Wo es jetzt Schaufeln zu verkaufen gibt:
- saubere Produktdaten mit GTIN und Tarifnummer für kleine Shops, die ihre Zollanmeldungen nicht selbst pflegen wollen
- Lager und Fulfillment in der EU für Händler aus Drittländern, die nicht mehr einzeln versenden wollen
- Zollvertretung und IOSS-Abwicklung als einfacher Dienst für kleine Händler
- Rechner, die Käufern vor dem Bestellen den echten Endpreis zeigen
- Marken und Hersteller aus Europa, die mit schneller Lieferung ohne Zollaufschlag werben
Wie du aus so einer Beobachtung eine tragfähige Idee machst, zeigt unser Ratgeber zum Finden einer Geschäftsidee. Und was 2027 und 2028 bei der Umsatzsteuer in der EU ansteht, steht in unserem Beitrag zu ViDA.
Jetzt du: Hat eine neue Regel schon einmal dein Geschäftsmodell durcheinandergebracht, oder hat sie dir eine Idee geschenkt? Wie bist du damit umgegangen? Schreib uns an redaktion@gruenderfreunde.de, wir sammeln eure Erfahrungen und teilen die spannendsten mit der Community.
Häufige Fragen zum Temu Zoll
Wie hoch ist der Temu Zoll seit 1. November 2026?
Für Sendungen bis 150 Euro fallen 3 Euro Zoll und 2 Euro Bearbeitungsgebühr je Warenkategorie an, zusammen 5 Euro. Darauf kommen 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer, ein Paket mit einem Artikel kostet also mindestens 5,95 Euro mehr als vor Juli.
Gilt die 2-Euro-Gebühr je Paket oder je Artikel?
Je Warenkategorie, also je Position der Zollanmeldung. Mehrere gleiche Artikel zählen einmal, verschiedene Warenkategorien zählen jeweils einzeln. Socken, Kabelbinder und Hosen in einem Paket kosten 9 Euro Zoll und 6 Euro Gebühr.
Wer zahlt den Zoll bei Temu und Shein?
Formell schuldet ihn, wer die Ware beim Zoll anmeldet, meist die Plattform oder ihr Logistikpartner. In der Praxis geben die Plattformen die Kosten über den Preis an die Käufer weiter. Fehlt die Abrechnung beim Kauf, zahlt der Empfänger bei der Zustellung.
Gilt die Gebühr auch für Bestellungen über 150 Euro?
Ja. Die Bearbeitungsgebühr von 2 Euro je Warenkategorie fällt im Fernabsatz unabhängig vom Warenwert an. Der Pauschalzoll von 3 Euro gilt dagegen nur bis 150 Euro, darüber gelten die normalen Zollsätze.
Bekomme ich Zoll und Gebühr bei einer Rücksendung zurück?
Die Gebühr erstattet der Zoll nicht, auch nicht bei einer Rücksendung. Ob die Plattform sie dir gutschreibt, hängt von ihren Bedingungen ab.
Wie lange gilt der Pauschalzoll von 3 Euro?
Der Pauschalzoll ist bis 1. Juli 2028 befristet und kann verlängert werden. Für die Bearbeitungsgebühr ist kein Ende vorgesehen.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft.


















