Inhalt dieses Artikels


Die Betriebsprüfung kommt spät, meist Jahre nach der Zahlung. Dann liegt auf dem Tisch, was damals pragmatisch schien: die Gehaltserhöhung nach einem guten Jahr, das zinslose Darlehen aus der Kasse der Gesellschaft, die Wohnung, die du deiner eigenen Gesellschaft vermietet hast. Wer eine GmbH gründet, trennt sein privates Vermögen vom Vermögen der Gesellschaft. Genau diese Trennung prüft das Finanzamt nach. Hält sie nicht, wird aus einer Betriebsausgabe eine verdeckte Gewinnausschüttung, kurz vGA. Teuer ist sie deshalb, weil sie auf zwei Ebenen gleichzeitig zuschlägt.

Was eine verdeckte Gewinnausschüttung ist

Eine vGA liegt vor, wenn deine Gesellschaft dir oder einer dir nahestehenden Person einen Vermögensvorteil zuwendet, dessen Grund im Gesellschaftsverhältnis liegt und nicht in einem Leistungsaustausch, wie ihn fremde Dritte vereinbart hätten. Das Entscheidende steht in einem Halbsatz des Körperschaftsteuergesetzes: Solche Zuwendungen mindern das Einkommen nicht, so § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG. Buchhalterisch bleibt die Zahlung stehen. Steuerlich wird sie außerhalb der Bilanz wieder hinzugerechnet, und der Gewinn der Gesellschaft steigt um genau diesen Betrag.

Das Wort verdeckt führt dabei in die Irre. Es verlangt keine Absicht, keine Verschleierung und keinen schlechten Willen. Es beschreibt nur, dass der Vorteil nicht den offenen Weg genommen hat, also nicht den Gesellschafterbeschluss über eine gewinnabhängige Ausschüttung. Die häufigste vGA in jungen Gesellschaften entsteht aus Gutgläubigkeit: Der Gründer behandelt die Kasse der GmbH wie sein eigenes Konto, weil ihm beides gehört. Steuerlich sind das zwei verschiedene Personen.

Quellen: Existenzgründungsportal des Bundes, Körperschaftsteuer | Finanzgericht Köln, 10 K 844/21

Messingtrichter, aus dem Körner neben den Sack auf den Boden rinnen
Symbolbild, mit KI erzeugt

Die Fälle, die Gründer am häufigsten treffen

Das Gehalt des Gesellschafter-Geschäftsführers

Der Klassiker. Deine Gesellschaft darf dir ein Gehalt zahlen, und sie darf es als Betriebsausgabe abziehen. Sie darf aber nur so viel zahlen, wie sie einem fremden Geschäftsführer in derselben Lage gezahlt hätte. Geprüft wird nicht das Grundgehalt allein, sondern die Gesamtausstattung: Festgehalt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Tantiemen, Pensionszusage, Dienstwagen, Wohnungsüberlassung. Was über der Angemessenheitsgrenze liegt, ist vGA. Der Rest bleibt Lohn.

Das Darlehen aus der Kasse der Gesellschaft

Ein Darlehen zwischen Gesellschaft und Gesellschafter ist erlaubt, aber es muss aussehen wie ein Darlehen: schriftlich vereinbart, mit marktüblichem Zins, mit Laufzeit, Tilgung und, wenn die Summe es verlangt, mit Sicherheit. Fehlt das, wertet die Finanzverwaltung die Auszahlung als Zuwendung. In einem Verfahren vor dem Finanzgericht Münster ging es um genau diese Konstellation: Die Betriebsprüfung behandelte ein formlos ausgezahltes Darlehen an die beherrschende Gesellschafterin als vGA.

Der Firmenwagen ohne Vereinbarung

Fährst du den Wagen der Gesellschaft privat, braucht das eine Grundlage im Anstellungsvertrag oder einen eigenen Überlassungsvertrag. Ohne diese Grundlage ist die private Nutzung durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst, und dann liegt in Höhe des Vorteils eine vGA vor. Wie die Versteuerung des Firmenwagens dagegen im vertraglich geregelten Fall läuft, ist eine andere Frage.

Miete, Sachleistungen und private Anlässe

Vermietest du der Gesellschaft Räume, prüft das Finanzamt die Miete gegen den örtlichen Mietspiegel. Zu hoch ist vGA, zu niedrig kann umgekehrt eine verdeckte Einlage sein. Die Geburtstagsfeier des Gesellschafters auf Kosten der GmbH gehört ebenfalls in diese Reihe, genauso der Einkauf, der privat verbraucht und betrieblich gebucht wird.

Der Fremdvergleich entscheidet, nicht die Absicht

Die Finanzverwaltung prüft in zwei Schritten. Erstens: Hat die Zahlung ihren Grund überhaupt im Gesellschaftsverhältnis, oder hätte es sie mit einem fremden Dritten genauso gegeben? Zweitens: Ist sie der Höhe nach angemessen? Als Vergleichsmaßstab zählt zuerst der innerbetriebliche Vergleich. Beschäftigt die Gesellschaft neben dir einen Fremdgeschäftsführer, ist dessen Vergütung ein starkes Indiz. Fehlt er, greift der Blick nach außen, auf Gehaltsstrukturuntersuchungen für Betriebe vergleichbarer Größe und Branche.

Daraus folgt eine unangenehme Eigenschaft dieser Steuerfalle: Du kannst sie mit bestem Gewissen auslösen. Es gibt keine Freigrenze, unter der nichts passiert, und es gibt keine Heilung im Nachhinein. Ein Vertrag, der erst nach der Zahlung geschrieben wird, wirkt bei einem beherrschenden Gesellschafter nicht zurück. Deshalb ist die Reihenfolge wichtiger als der Inhalt: zuerst der Beschluss und der Vertrag, dann das Geld.

Quellen: IHK Region Stuttgart, Gesellschafter-Geschäftsführer | IHK Potsdam, Körperschaftsteuer

Zwei hölzerne Zollstöcke nebeneinander mit unterschiedlich engen Teilstrichen
Symbolbild, mit KI erzeugt

Rechenbeispiel: was eine verdeckte Gewinnausschüttung wirklich kostet

Beispiel: Deine GmbH hat dir im Prüfungszeitraum 20.000 Euro mehr Gehalt gezahlt, als ein fremder Geschäftsführer in derselben Lage bekommen hätte. Die Betriebsprüfung stuft diesen Teil als vGA ein. Auf der Ebene der Gesellschaft fällt der Betriebsausgabenabzug weg, der Gewinn steigt um den Betrag, und darauf liegt Körperschaftsteuer von 15 Prozent nach § 23 Abs. 1 KStG, also 3.000 Euro. Dazu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent der Körperschaftsteuer, womit die Belastung auf dieser Ebene bei 15,825 Prozent liegt.

Bei dir als Gesellschafter zählt derselbe Betrag als Kapitalertrag. Darauf werden 25 Prozent Kapitalertragsteuer fällig, im Beispiel 5.000 Euro, wieder zuzüglich Solidaritätszuschlag. Körperschaftsteuer und Kapitalertragsteuer zusammen ergeben 8.000 Euro, und der Solidaritätszuschlag kommt auf beide Beträge noch obendrauf. Hinzu kommen Nachzahlungszinsen und, je nach Gemeinde, Folgen bei der Gewerbesteuer.

Ebene Steuer Satz Im Beispiel
GmbH Körperschaftsteuer 15 Prozent 3.000 Euro
GmbH Solidaritätszuschlag darauf 5,5 Prozent mit 15,825 Prozent Gesamtbelastung
Gesellschafter Kapitalertragsteuer 25 Prozent 5.000 Euro
Gesellschafter Solidaritätszuschlag darauf 5,5 Prozent auf die Kapitalertragsteuer
zusammen beide Steuern ohne Zuschlag siehe oben 8.000 Euro

Der Vergleich macht die Rechnung bitter: Hättest du dieselbe Summe offen ausgeschüttet, wäre die Steuerlast ähnlich hoch gewesen. Der Unterschied liegt im Zeitpunkt. Die offene Ausschüttung planst du, die verdeckte trifft dich nach der Prüfung in einem Betrag, zusammen mit mehreren Jahren Nachzahlung.

Quellen: Existenzgründungsportal des Bundes | Bundeszentralamt für Steuern, Kapitalerträge | IHK zu Essen, Körperschaftsteuer

So hältst du die Grenze ein

Die Vorsorge ist unspektakulär und kostet wenig Zeit. Sie besteht darin, jedes Geschäft zwischen dir und deiner Gesellschaft so zu behandeln, als stünde dir ein Fremder gegenüber.

  • Anstellungsvertrag vor der ersten Gehaltszahlung, mit Gesellschafterbeschluss, klarer Vergütung und Regelung zu Tantieme und Dienstwagen.
  • Gehaltsanpassungen immer vorher beschließen und schriftlich festhalten, nie rückwirkend.
  • Jedes Darlehen schriftlich, mit Zins, Laufzeit und Tilgung, und die Tilgung dann auch wirklich buchen.
  • Mietverträge am örtlichen Mietspiegel ausrichten und den Nachweis dazu ablegen.
  • Private Ausgaben strikt vom Konto der Gesellschaft fernhalten, auch kleine.

Wer vor der Gründung noch bei der Rechtsform schwankt, sollte wissen: Für die UG gilt alles Gesagte unverändert, denn sie ist eine GmbH mit geringerem Stammkapital. Wie du bei der Sozialversicherungspflicht des Geschäftsführers stehst, ist eine getrennte Prüfung, die aber von denselben Verträgen lebt.

Häufige Fragen

Muss ich eine verdeckte Gewinnausschüttung selbst erklären?

Wenn du sie erkennst, ja. Dann gehört sie in die Körperschaftsteuererklärung als Hinzurechnung und beim Gesellschafter in die Kapitaleinkünfte. Entdeckt sie erst die Betriebsprüfung, wird es teurer, weil Zinsen auflaufen.

Gibt es eine Bagatellgrenze?

Nein. Auch kleine Beträge werden hinzugerechnet. In der Praxis stößt die Prüfung auf sie meist nicht einzeln, sondern als Muster über mehrere Jahre.

Was passiert mit der Lohnsteuer auf ein zu hohes Gehalt?

Der überhöhte Teil wird steuerlich umqualifiziert, aus Arbeitslohn wird Kapitalertrag. Die bereits abgeführten Beträge werden im Verfahren berücksichtigt, die Abwicklung ist aber aufwendig und gehört in die Hand der Steuerberatung.

Hilft ein Vertrag, den wir nachträglich aufgeschrieben haben?

Bei einem beherrschenden Gesellschafter nicht. Für ihn gilt ein Rückwirkungsverbot: Was nicht vorher klar und schriftlich vereinbart war, lässt sich später nicht mit Wirkung für die Vergangenheit nachholen.

Trifft es auch Minderheitsgesellschafter?

Ja, der Tatbestand hängt nicht an einer Mehrheit. Beim beherrschenden Gesellschafter sind die formalen Anforderungen nur strenger.

Fazit

Die verdeckte Gewinnausschüttung ist keine exotische Falle, sondern die wahrscheinlichste Beanstandung einer Betriebsprüfung bei einer kleinen Kapitalgesellschaft. Sie entsteht nicht aus Betrug, sondern aus Formlosigkeit. Wer seine Verträge vor dem Geld schreibt, sie am Fremdvergleich ausrichtet und Privates sauber vom Konto der Gesellschaft trennt, hat das Thema abgeräumt. Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine Beratung im Einzelfall; für deine Zahlen sind Steuerberatung oder Kammer die richtige Adresse.

Stand: 28. Oktober 2026

Newsletter abonnieren