Inhalt dieses Artikels
Die meisten Gründerinnen und Gründer scheitern nicht am Schreiben, sondern am Anfangen. Ein leeres Dokument gibt keine Reihenfolge vor. Also entsteht ein Text, der die Geschäftsidee dreimal erzählt und den Finanzteil in zwei Sätzen abhandelt. Eine Vorlage dreht das um: Sie legt die Kapitel fest, du lieferst nur noch den Inhalt. Wie du aus der Gliederung einen fertigen Text machst, steht ausführlich in unserem Leitfaden Businessplan schreiben in fünf Schritten. Hier bekommst du die Vorlage selbst, Kapitel für Kapitel, jeweils mit der Frage, die das Kapitel beantworten muss.
Was eine Businessplan-Vorlage leisten muss
Eine brauchbare Vorlage ist kein Formular zum Ausfüllen. Sie ist eine Leseordnung, und zwar für fremde Augen. Dein Plan hat in aller Regel vier Leserinnen und Leser, und jede Gruppe sucht etwas anderes darin.
- Die fachkundige Stelle, etwa deine Kammer, prüft beim Gründungszuschuss, ob die Selbstständigkeit dich dauerhaft trägt.
- Die Hausbank sucht die Rückzahlung: Reicht der Überschuss für Zins und Tilgung, und was passiert, wenn der Umsatz ein halbes Jahr später kommt?
- Ein Förderinstitut prüft, ob dein Vorhaben in sein Programm passt.
- Du selbst merkst beim Ausfüllen, an welcher Stelle du nur hoffst statt zu rechnen.
Daraus folgt die Reihenfolge der Kapitel. Vorn steht, was der eilige Leser braucht, hinten steht der Beleg. Und weil niemand einen Plan liest, dessen Zahlen sich widersprechen, gilt eine harte Regel: Jede Zahl aus dem Textteil muss im Finanzteil wiederauftauchen. Schreibst du vorn von zwei Angestellten, stehen hinten zwei Gehälter.

Die Gliederung: zehn Kapitel in fester Reihenfolge
Diese Gliederung deckt ab, was Kammern, Banken und Förderstellen üblicherweise sehen wollen. Arbeite sie von oben nach unten ab, aber schreibe die Zusammenfassung zuletzt.
| Kapitel | Leitfrage | Fertig, wenn |
|---|---|---|
| Zusammenfassung | Was machst du, für wen, und was kostet der Start? | Der Abschnitt steht für sich, auch ohne den Rest des Plans. |
| Gründerperson und Team | Warum ausgerechnet du? | Jede Qualifikation ist belegbar, jede Lücke benannt. |
| Angebot | Welches Problem löst du, und woran merkt es der Kunde? | Ein Außenstehender könnte dein Angebot nacherzählen. |
| Markt und Zielgruppe | Wer kauft, wie oft, zu welchem Preis? | Die Zielgruppe ist nach nachprüfbaren Merkmalen beschrieben. |
| Wettbewerb | Wer bedient diese Kunden heute? | Mindestens drei Anbieter sind mit Preis und Schwäche benannt. |
| Marketing und Vertrieb | Wie kommt der erste Kunde zu dir? | Jeder Kanal hat Kosten und einen Termin. |
| Rechtsform und Organisation | Wer haftet, wer entscheidet, wer arbeitet? | Die Rechtsform ist begründet, nicht nur genannt. |
| Chancen und Risiken | Was bringt das Vorhaben zum Kippen? | Zu jedem Risiko steht eine Gegenmaßnahme. |
| Finanzteil | Rechnet es sich, und bleibt Geld auf dem Konto? | Umsatz-, Rentabilitäts- und Liquiditätsvorschau passen zueinander. |
| Anhang | Womit belegst du das alles? | Lebenslauf, Verträge und Angebote liegen bei. |
Die Kapitel im Einzelnen
Zusammenfassung
Sie entsteht zuletzt und wird zuerst gelesen. Nenne das Angebot, die Zielgruppe, den Kapitalbedarf, die gewünschte Finanzierung und den geplanten Start. Streiche jeden Satz, der auch in einem Plan über eine Bäckerei stehen könnte.
Gründerperson und Team
Hier zählt der Nachweis, nicht die Begeisterung. Fachliche Ausbildung, Jahre im Gewerk, Kundenkontakte aus der alten Anstellung: Das ist der Teil, den eine Kammer tatsächlich bewertet. Fehlt dir die kaufmännische Seite, dann schreibe hin, wer sie übernimmt, statt die Lücke zu verschweigen.
Angebot, Markt und Wettbewerb
Diese drei Kapitel gehören zusammen und werden oft zu weich geschrieben. Beschreibe das Angebot so, dass ein Preis dransteht. Grenze die Zielgruppe so ein, dass du sie erreichen kannst. Und nimm den Wettbewerb ernst: Wer behauptet, keine Konkurrenz zu haben, sagt damit meist nur, dass er nicht nachgesehen hat. Für die Marktseite hilft eine saubere Werkzeugauswahl, weil die gängigen Planungsprogramme Branchenkennzahlen mitliefern.
Marketing, Vertrieb und Organisation
Jeder Kanal bekommt drei Angaben: was er kostet, wann er anläuft, was er bringen soll. Ein Plan, in dem Werbung nichts kostet, fällt sofort auf. Bei der Organisation genügen die Antworten auf drei Fragen: Wer arbeitet mit, welche Aufgaben vergibst du nach außen, und welche Genehmigungen brauchst du vor dem ersten Tag?
Der Finanzteil: drei Vorschauen, die zusammenpassen
Der Finanzteil ist der Grund, warum Pläne abgelehnt werden. Er besteht aus drei Rechnungen, die aufeinander aufbauen. Die Umsatzvorschau schätzt, was du verkaufst, am besten in Menge mal Preis statt als runde Jahreszahl. Die Rentabilitätsvorschau zieht davon Wareneinsatz und laufende Kosten ab und zeigt den Gewinn vor Steuern. Die Liquiditätsvorschau rechnet monatsweise und beantwortet die einzige Frage, an der junge Betriebe sterben: Reicht das Geld bis zum nächsten Zahlungseingang? Wie du sie aufbaust, zeigt unser Beitrag zum Liquiditätsplan.
Eine Rentabilitätsvorschau deckt üblicherweise die ersten drei Geschäftsjahre ab. Das erste Jahr rechnest du monatlich, die beiden folgenden als Jahreswerte. Wichtig ist weniger die Genauigkeit als die Herleitung: Jede Annahme bekommt einen Satz, woher sie stammt.

Rechenbeispiel: Rentabilitätsvorschau für das erste Jahr
Beispiel: Eine Textildesignerin gründet als Einzelunternehmerin und plant im ersten Jahr 72.000 Euro Umsatz bei 18.000 Euro Wareneinsatz. Angenommen, sie zahlt 7.200 Euro für Werkstattmiete und Energie, 2.400 Euro für Versicherungen und Kammerbeiträge, schreibt 3.000 Euro auf ihre Maschinen ab und zahlt 1.200 Euro Zinsen.
| Position | Betrag im ersten Jahr |
|---|---|
| Umsatz | 72.000 Euro |
| Wareneinsatz | 18.000 Euro |
| Rohertrag | 54.000 Euro |
| Miete und Energie | 7.200 Euro |
| Versicherungen und Beiträge | 2.400 Euro |
| Abschreibung | 3.000 Euro |
| Zinsen | 1.200 Euro |
| Summe der laufenden Kosten | 13.800 Euro |
| Gewinn vor Steuern | 40.200 Euro |
Beispiel: Von diesen 40.200 Euro gehen noch Einkommensteuer und die eigene Kranken- und Altersvorsorge ab. Genau diese Zeile vergessen viele Vorlagen, und genau danach fragt die Kammer.
Worauf Bank und fachkundige Stelle achten
Beim Gründungszuschuss ist der Plan kein Beiwerk, sondern Voraussetzung. Die Bundesagentur für Arbeit schreibt: „Eine fachkundige Stelle hat Ihre Geschäftsidee geprüft und Ihnen bescheinigt, dass diese einen langfristigen Erfolg der Selbstständigkeit ermöglicht.“ Dazu kommt eine Hürde, die nichts mit dem Text zu tun hat: Zu Beginn der Selbstständigkeit muss noch ein Anspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 150 Tagen bestehen. Für Menschen mit Behinderungen sieht die Bundesagentur hier eine Ausnahme vor. Gefördert wird dann in zwei Stufen, zuerst 6 Monate in Höhe des zuletzt erhaltenen Arbeitslosengeldes plus 300 Euro, danach auf Antrag weitere 9 Monate mit 300 Euro im Monat. Den Ablauf beschreibt unser Ratgeber Gründungszuschuss beantragen.
Suchst du Fremdkapital, prüft deine Hausbank denselben Plan noch einmal mit anderem Blick. Der ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW reicht bis zu 200.000 Euro, davon bis zu 80.000 Euro für Betriebsmittel, also für Personal, Miete, Material und Marketing. Dieser Teil ist wichtiger, als er klingt: Viele Pläne beantragen nur die Maschine und übersehen die Monate, in denen die Maschine noch nichts einbringt.
Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Gründungszuschuss beantragen | KfW, ERP-Gründerkredit StartGeld
Häufige Fragen zur Businessplan-Vorlage
Wie lang muss ein Businessplan sein?
Es gibt keine vorgeschriebene Länge. Die Länge richtet sich nach dem Zweck: Eine Stellungnahme der fachkundigen Stelle verlangt deutlich weniger Text als ein Kreditantrag über eine größere Summe. Als Maß taugt eher der Finanzteil, denn er muss vollständig sein, egal wie knapp der Rest ausfällt.
Kann ich eine fremde Vorlage einfach übernehmen?
Die Gliederung ja, die Formulierungen nein. Kammern und Banken lesen jedes Jahr Hunderte Pläne und erkennen Textbausteine sofort. Übernimm also die Struktur und schreibe die Inhalte selbst.
Was prüft die fachkundige Stelle genau?
Sie bescheinigt die Tragfähigkeit, also ob das Vorhaben dich dauerhaft ernähren kann. Fachkundige Stellen sind laut Bundesagentur für Arbeit „zum Beispiel die Industrie- und Handelskammern (IHK), die Handwerkskammern (HWK), Banken, Fachverbände“ und weitere Einrichtungen der Gründungsberatung.
Brauche ich eine Vorlage als Datei?
Nein. Entscheidend ist die Kapitelfolge, nicht das Dateiformat. Ein Textdokument mit den Überschriften aus der Tabelle oben plus eine Tabellenkalkulation für den Finanzteil genügen vollkommen.
Fazit
Eine Businessplan-Vorlage nimmt dir die Reihenfolge ab, nicht das Denken. Arbeite die zehn Kapitel der Reihe nach durch, schreibe die Zusammenfassung zuletzt und stecke die meiste Zeit in den Finanzteil, weil dort entschieden wird. Prüfe am Ende, ob jede Zahl aus dem Textteil im Zahlenteil wiederkehrt. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Beratung durch Steuerberatung oder Kammer im Einzelfall.
Stand: 24. Oktober 2026



















