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Am Donnerstag, 15. Oktober 2026, lief auf ProSieben der „JENKE. REPORT.“ mit dem Titel „Raus aus Deutschland: Warum immer mehr Deutsche auswandern“. Jenke von Wilmsdorff besucht darin Deutsche in Zypern, Portugal und der Schweiz und fragt, was sie aus dem Land treibt. Die amtlichen Zahlen stützen seine These: 2025 zogen laut Statistischem Bundesamt 288.579 Deutsche ins Ausland, so viele wie in keinem Jahr seit Beginn der Reihe 1954. Die ganze Folge steht kostenlos in der Joyn-Mediathek.

Wir haben die Aussagen der Reportage mit den Daten von Destatis, Eurostat, der Jugendstudie 2026 und dem DIHK abgeglichen. Das Ergebnis überrascht an einer Stelle: Die meisten zieht es nicht an den Strand, sondern ins Nachbarland. Was die Gründe für den Wegzug angeht, findest du in unserem Ratgeber Warum immer mehr Menschen Deutschland verlassen zusätzlich eine Checkliste für den eigenen Neustart.

Das Wichtigste in Kürze

  • 2025 zogen 288.579 Deutsche ins Ausland, 191.890 kamen zurück. Unterm Strich verlor Deutschland 96.689 Staatsbürger.
  • Das sind rund 791 Fortzüge am Tag, rechnerisch alle 1,8 Minuten einer.
  • Ziel Nummer eins ist die Schweiz mit 22.730 Deutschen, dann Österreich mit 13.549. Fünf Nachbarländer stellen 61 Prozent der zehn häufigsten Ziele.
  • 21 Prozent der 14- bis 29-Jährigen planen konkret auszuwandern, 41 Prozent können es sich vorstellen (Jugend in Deutschland 2026).
  • Rund 20 Prozent der Unternehmen verlagern Investitionen oder Produktion ins Ausland oder erwägen es, in der Industrie 40 Prozent (DIHK, Juli 2026).
  • Wer mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft hält, zahlt beim Wegzug Steuer auf den Wertzuwachs, als hätte er verkauft (§ 6 AStG).

Was zeigt der Jenke Report „Raus aus Deutschland“?

Die Reportage erzählt den Wegzug an Menschen entlang. Rafael und Christina Wyink wollen mit ihren Kindern nach Zypern. Rafael beschreibt sich als Sicherheitsmenschen, dem die Entscheidung schwerfiel; den Ausschlag gab für ihn die Stimmung im Land. Christina nennt die Bürokratie, die es gerade Selbstständigen schwer mache, sich in Deutschland etwas aufzubauen.

In der Schweiz trifft Jenke die Physiotherapeutin Nicole Schiegg. In Deutschland verdiente sie rund 2.500 Euro brutto im Monat und hatte zwei Nebenjobs, in der Schweiz sind es etwa 8.500 Euro. Das ist das 3,4-Fache, für denselben Beruf.

Dazu kommen Experten: Michael Wohlfart erklärt das Steuermodell auf Zypern, Fachanwalt Helge Schubert die deutsche Wegzugsteuer, Jugendforscher Simon Schnetzer seine Befragung junger Menschen. Als Beispiel für die Wegzugsteuer dient der Fall des Unternehmers Christian Wolf, Mitgründer der Fitnessmarke More Nutrition, der nach eigenen Angaben mehr als 30 Millionen Euro Wegzugsteuer bezahlte und nach Zypern zog. Eine Zusammenfassung der Folge hat Joyn in einem Begleitartikel veröffentlicht.

Wie viele Deutsche wandern aus? Die Zahlen von 2020 bis 2025

Die Wanderungsstatistik zählt jede Abmeldung ins Ausland. Seit 2020 ist die Zahl der Fortzüge Deutscher um 31 Prozent gestiegen, die Zahl der Rückkehrer blieb fast gleich. 2025 lagen die Fortzüge 6,9 Prozent über dem Vorjahr.

JahrFortzüge DeutscherZuzüge DeutscherSaldo
2020220.239191.883−28.356
2021247.829183.650−64.179
2022268.167184.753−83.414
2023265.035191.356−73.679
2024269.986189.107−80.879
2025288.579191.890−96.689

Der bisherige Höchstwert stammte aus dem Jahr 2016 mit 281.411 Fortzügen. Zur Einordnung: Die Statistik erfasst auch befristete Aufenthalte wie ein Auslandssemester oder eine Entsendung. Wie viele Menschen für immer gehen, steht in keiner amtlichen Zahl. Rund zwei von drei Fortzügen stehen aber Rückkehrer gegenüber, und das Minus wächst seit 2020 fast jedes Jahr. Im Juni hatte Destatis die Wanderungsbilanz 2025 veröffentlicht.

Wohin Deutsche auswandern: Nachbarland statt Strand

Balkendiagramm: Die sieben häufigsten Zielländer deutscher Auswanderer 2025, angeführt von der Schweiz mit 22.730 und Österreich mit 13.549 Fortzügen
Fortzüge deutscher Staatsangehöriger 2025. Quelle: Statistisches Bundesamt, Wanderungsstatistik

Das Bild vom Auswanderer unter Palmen passt nicht zu den Daten. Von den zehn häufigsten Zielländern grenzen fünf an Deutschland: die Schweiz, Österreich, Frankreich, Polen und die Niederlande. Zusammen nahmen sie 2025 genau 50.569 Deutsche auf, 61 Prozent aller Fortzüge in die Top 10. Spanien ist auf Platz drei das einzige klassische Sonnenziel unter den ersten fünf.

RangZiellandFortzüge Deutscher 20252024
1Schweiz22.73020.695
2Österreich13.54913.308
3Spanien9.6768.869
4USA8.8609.307
5Frankreich5.7485.543
6Türkei5.3715.203
7Polen4.9424.300
8Vereinigtes Königreich4.4444.450
9Italien3.7353.442
10Niederlande3.6003.674

Zwei Verschiebungen fallen im Zehnjahresvergleich auf. In die USA zogen 2015 noch 13.438 Deutsche, 2025 nur 8.860, ein Minus von 34 Prozent. Ins Vereinigte Königreich halbierte sich der Zuzug nach dem Brexit von 8.917 auf 4.444. Die Schweiz legte im selben Zeitraum um 24 Prozent zu, Spanien um 56 Prozent. Wer geht, sucht also vor allem gute Löhne in Reichweite, eine vertraute Sprache und kurze Wege zurück. Einen Überblick über alle Länder mit Steuern und Kosten bietet unser Vergleich Wohin auswandern?, die Einzelheiten stehen in den Leitfäden zur Schweiz, zu Österreich und zu Spanien.

Warum wollen so viele Deutsche auswandern?

Die deutlichste Zahl der Reportage kommt von Simon Schnetzer. Für die Trendstudie Jugend in Deutschland 2026 wurden vom 9. Januar bis 9. Februar 2026 genau 2.012 Menschen zwischen 14 und 29 Jahren befragt. 21 Prozent planen konkret, Deutschland zu verlassen, 41 Prozent können es sich grundsätzlich vorstellen. Das ist keine kleine Gruppe, sondern jede fünfte junge Person mit Plan.

Als Gründe nennt Schnetzer Inflation, steigende Wohnkosten, Krieg und die Sorge um den Zusammenhalt. In der Sendung bringt er es so auf den Punkt: „Wir haben doch eigentlich alles gemacht, was wir tun sollten.“ Die Stimmung bestätigt die Umfrage „What Worries the World“ von Ipsos: Im August 2026 sahen 86 Prozent der Deutschen ihr Land auf dem falschen Weg, 15 Punkte mehr als ein Jahr zuvor.

Für Gründer und Selbstständige kommt die Bürokratie hinzu, die Christina Wyink in der Reportage anspricht. Wer eine Firma führt, merkt Genehmigungen, Meldepflichten und Steuerlast direkt im eigenen Kalender.

Schweiz: doppelt so viel netto, aber nicht ohne Gegenwind

Die Gehaltsunterschiede, die Jenke in Zürich zeigt, lassen sich amtlich nachrechnen. Eurostat vergleicht jedes Jahr, was einem alleinstehenden Durchschnittsverdiener ohne Kinder brutto und netto bleibt. Die jüngsten Werte für alle drei Länder der Reportage stammen aus 2023.

LandBrutto im JahrNetto im JahrAbzüge
Schweiz100.189 €82.060 €18,1 %
Deutschland60.428 €37.908 €37,3 %
Portugal21.000 €15.301 €27,1 %

Netto bleibt einem Durchschnittsverdiener in der Schweiz damit das 2,2-Fache dessen, was er in Deutschland bekommt. In der Reportage fallen für Berufseinsteiger im Marketing in Zürich Gehälter um 85.000 Euro, für Portugal um 28.000 Euro. Die Zahlen stammen aus der Eurostat-Datenbank zu Nettoverdiensten.

Die Kehrseite zeigt die Sendung ebenfalls: Mieten und Lebenshaltung kosten in der Schweiz deutlich mehr, Urlaubstage sind oft weniger. Auch die Einheimischen kommen zu Wort: Sie sorgen sich um steigende Mieten und darum, auf dem Arbeitsmarkt verdrängt zu werden, wenn Zuwanderer zu Bedingungen arbeiten, die sie selbst ablehnen würden. Die Debatte kennt man aus Mallorca. Wie ernst das Thema ist, zeigte die Volksabstimmung vom 14. Juni 2026: Die Initiative „Keine 10-Millionen-Schweiz“ scheiterte zwar, doch 45,2 Prozent stimmten mit Ja. Wer in die Schweiz geht, kommt in ein Land, das über Zuwanderung offen streitet.

Zypern: Was hinter den 15 Prozent Steuer steckt

Auf Zypern gründen Auswanderer laut Michael Wohlfart in der Regel eine Limited, vergleichbar mit einer GmbH, und zahlen auf den Gewinn 15 Prozent. Gewinne könnten unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei an den Gesellschafter fließen, sodass die Gesamtbelastung bei rund 15 Prozent liege statt bei 40 bis 45 Prozent in Deutschland.

Die Eckdaten stimmen: Seit dem 1. Januar 2026 beträgt die Körperschaftsteuer auf Zypern 15 Prozent, vorher waren es 12,5 Prozent. Wer als Non-Dom gilt, zahlt auf Dividenden keine Sonderabgabe, aber den Beitrag zum Gesundheitssystem von 2,65 Prozent. Entscheidend ist der echte Umzug: Wer weiter in Deutschland wohnt oder die Firma von hier führt, bleibt in Deutschland steuerpflichtig. Wie die 60-Tage-Regel und der Non-Dom-Status funktionieren, erklärt unser Leitfaden Auswandern nach Zypern.

Auch Unternehmen verlagern ins Ausland

Nicht nur Menschen gehen. Im Energiewende-Barometer 2026 des DIHK, für das im Juni rund 3.100 Unternehmen befragt wurden, gaben rund 20 Prozent an, Investitionen oder Produktion ins Ausland zu verlagern, die Verlagerung schon begonnen zu haben oder sie zu erwägen. In der Industrie sind es 40 Prozent, bei großen Industrieunternehmen 60 Prozent.

Schon im Frühjahr hatte die DIHK-Konjunkturumfrage unter 1.700 Industriebetrieben gezeigt, dass 43 Prozent im Ausland investieren wollen. 41 Prozent nannten Kostenersparnis als Motiv, der höchste Wert seit 2003. Energie, Arbeitskosten und Bürokratie treiben Firmen also an dieselben Orte, an die auch ihre Fachkräfte ziehen.

Wegzugsteuer und Entstrickung: wenn der Fiskus mitreist

Für Unternehmer hat der Umzug einen Preis, den die Reportage ausführlich zeigt. Wer in den letzten zwölf Jahren mindestens sieben Jahre in Deutschland steuerpflichtig war und mindestens 1 Prozent an einer GmbH oder AG hält, muss beim Wegzug den Wertzuwachs seiner Anteile versteuern, als hätte er sie verkauft (§ 6 AStG). Die Steuer lässt sich in sieben Jahresraten zahlen, in der Regel gegen Sicherheit. Seit 2025 gilt die Regel auch für Fondsanteile ab 500.000 Euro Anschaffungskosten je Fonds (§ 19 InvStG).

Der Fall Christian Wolf zeigt die Größenordnung: Nach eigenen Angaben zahlte er mehr als 30 Millionen Euro. Besteuert wird der Wert der Anteile am Tag des Wegzugs, auch wenn bis dahin noch kein Euro aus einem Verkauf geflossen ist. Fachanwalt Helge Schubert verteidigt das Prinzip in der Sendung: Wer hier ein Unternehmen aufbaut, nutze Ressourcen, die finanziert werden müssen, und andere Länder handhabten das genauso.

Einzelunternehmer, Freiberufler und Content Creator betrifft eine zweite Regel, die Entstrickung. Wandert der Betrieb mit ins Ausland, gilt das als Betriebsaufgabe (§ 16 Abs. 3a EStG), und versteuert werden die stillen Reserven zum Marktwert, auch der selbst aufgebaute Kundenstamm. Dazu kann der Name selbst zählen: Der Bundesfinanzhof stuft den vermarktbaren Teil des Namens einer Person als eigenes Wirtschaftsgut ein (Urteil vom 12. Juni 2019, X R 20/17). Was die Wegzugsbesteuerung für Gründer im Einzelnen bedeutet, erklärt unser Ratgeber zur Wegzugsbesteuerung.

Unsere Einschätzung: Die Standortfrage gehört an den Anfang

Jenke stellt am Ende die richtige Frage: Hält die Wegzugsteuer Unternehmer im Land, oder gründen sie gleich woanders? Für Gründer ist die Antwort praktisch: Jede Finanzierungsrunde erhöht den Wert der eigenen Anteile und damit die Steuer bei einem späteren Wegzug. Wer ernsthaft über ein Leben im Ausland nachdenkt, entscheidet das besser vor der ersten Bewertung als danach. Rechtsform und Struktur, etwa eine Holding oder ein Einzelunternehmen, gehören in dieselbe Überlegung.

Für Deutschland ist die Lage ebenso klar. Es verliert junge, gut ausgebildete Menschen nicht an exotische Ziele, sondern an Nachbarn, die mehr zahlen und weniger verlangen. Das lässt sich ändern, und die 191.890 Rückkehrer des vergangenen Jahres zeigen, dass viele gern wiederkommen.

Häufige Fragen zum Jenke Report und zur Auswanderung

Wann lief der Jenke Report „Raus aus Deutschland“?

Am Donnerstag, 15. Oktober 2026, um 20:15 Uhr auf ProSieben. Die Folge steht danach kostenlos in der Joyn-Mediathek.

Wie viele Deutsche sind 2025 ausgewandert?

Laut Statistischem Bundesamt zogen 2025 genau 288.579 Deutsche ins Ausland, der höchste Wert seit Beginn der Reihe 1954. Zurück kamen 191.890, der Saldo lag bei minus 96.689.

Wohin wandern die meisten Deutschen aus?

In die Schweiz (22.730 im Jahr 2025), nach Österreich (13.549), Spanien (9.676), in die USA (8.860) und nach Frankreich (5.748). Fünf der zehn häufigsten Ziele sind Nachbarländer.

Wie viele junge Deutsche wollen auswandern?

Laut der Studie Jugend in Deutschland 2026 planen 21 Prozent der 14- bis 29-Jährigen konkret auszuwandern, 41 Prozent können es sich vorstellen.

Was ist die Wegzugsteuer?

Wer mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft hält und seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, versteuert den Wertzuwachs der Anteile, als hätte er sie verkauft. Rechtsgrundlage ist § 6 AStG, die Steuer kann in sieben Jahresraten gezahlt werden.

Lohnt sich Zypern steuerlich?

Für Unternehmer mit echtem Wohnsitz und Geschäftsleitung auf Zypern kann die Belastung deutlich unter der deutschen liegen: 15 Prozent Körperschaftsteuer seit 2026 und für Non-Doms keine Sonderabgabe auf Dividenden. Die deutsche Wegzugsteuer fällt beim Umzug trotzdem an.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt. Alle Zahlen wurden gegen die verlinkten amtlichen Quellen abgeglichen und nachgerechnet, Stand Oktober 2026. Er ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

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Gründerfreunde
Dennis Weidner ist Gründer und Chefredakteur von Gruenderfreunde.de. Das Portal startete 2013 neben seiner eigenen Selbstständigkeit, gehört bis heute keinem Verlag und wird vom Gründer selbst geführt. Diese Unabhängigkeit entscheidet, worüber hier geschrieben wird und worüber nicht. Sein Weg begann in der Bankenbranche, es folgten rund zehn Jahre Krypto und Online-Marketing. Heute verantwortet er mehrere Gesellschaften in Medien, E-Commerce und KI und arbeitet im Tagesgeschäft mit KI-Agenten. Daher kommen die Themen, über die er schreibt: Finanzierung, Steuern und Bürokratie, Vertrieb und Automatisierung, Standortwahl und Auswandern. Er schreibt über das, was er selbst gemacht hat, Umwege eingeschlossen, und stützt sich auf amtliche Quellen und Kontakte vor Ort. Die Beiträge ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung, sie sollen die eigene Entscheidung vorbereiten. Kontakt und weitere Beiträge über LinkedIn oder dennis-weidner.com.