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Mit Missoir stellt sich am Montag, 19. Oktober 2026, ein Berliner Startup bei Die Höhle der Löwen vor, in Folge 7 der Staffel 20 ab 20:15 Uhr auf VOX. Gründerin Lena Olvedi verkauft ein Hockurinal für Frauen, das bodengleich eingebaut wird und ohne Spülung auskommt. Sie fordert 180.000 Euro für 20 Prozent der Anteile und bewertet ihr Unternehmen damit mit 900.000 Euro. Bei RTL+ ist die Folge seit dem 12. Oktober 2026 abrufbar.

Was ist Missoir?

Missoir ist ein Trockenurinal für Frauen. Das längliche Becken aus Edelstahl sitzt im Boden, dazu kommen ein Spritzschutz und seitliche Haltegriffe. Benutzt wird es in der Hocke, ohne Kontakt zur Sanitäranlage. Gespült wird nicht, das Becken braucht weder Wasser noch Chemie.

Verkauft wird das Missoir Set aus Hockurinal, Spritzschutz und Haltegriffen, auf Wunsch mit Trennwand und Zubehör wie Papierspender oder Kleiderhaken. Einbauen lässt es sich einzeln in einer Kabine oder mehrfach nebeneinander wie ein Pissoir. Das Unternehmen beschreibt sein Produkt auf der eigenen Website ausdrücklich als Pendant zum Pissoir und als Ergänzung zur Toilette, nicht als deren Ersatz.

Wer steckt hinter Missoir?

Hinter der Marke steht Lena Olvedi. Sie ist 44 Jahre alt und lebt in Berlin, wie t-online in der Vorberichterstattung zur Folge schreibt. Im Impressum steht die MISSOIR GmbH, Oranienstraße 183 in 10999 Berlin, vertreten durch die Geschäftsführerin Ilona „Lena“ Olvedi und eingetragen beim Amtsgericht Charlottenburg unter HRB 264441.

Die Idee entstand in der Warteschlange vor einer Clubtoilette, als eine Begleitung an der Schlange vorbei zum Urinal ging. „Ich fragte mich: Warum hat er eigentlich zwei Optionen und ich nicht?“, sagte Olvedi dem Magazin Business Punk. Zum ersten Prototypen von 2019 sagte sie dort: „Ich habe drei Tage lang Pipi in den Augen gehabt, so gut war das Feedback.“

Die eigene Zeitleiste des Unternehmens nennt 2018 und 2019 als Jahre von Recherche, Prototypen und Schutzrechten. 2020 und 2021 folgten der Schritt in die Selbständigkeit und eine Crowdfunding-Kampagne. 2022 und 2023 standen Missoirs zur Miete auf Festivals, und in Berlin gingen die ersten öffentlichen Exemplare in Betrieb. Für 2024 und 2025 nennt das Unternehmen eine Auszeichnung der Bundesregierung, den Start der Serienproduktion und die Gründung der GmbH.

Wie funktioniert das Hockurinal?

Blick von oben auf ein Hockurinal aus Edelstahl, davor steht eine Person in Hose und Stiefeln in der Hocke
Foto: Lena Olvedi

Der Unterschied zur Toilette steckt in der Haltung. Weil das Becken bodennah liegt, wird im Hocken uriniert statt im Sitzen oder in der angespannten Halbhocke über der Brille. Das Unternehmen führt dafür zwei Vorteile an: Die Blase entleert sich vollständiger, und das Abdecken der Brille mit Papier entfällt. Ein Spritzschutz lenkt den Strahl, die Haltegriffe geben Halt beim Aufstehen.

Der zweite Unterschied ist das fehlende Spülwasser. Eine Toilette verbraucht nach Angaben von Missoir bis zu zehn Liter Trinkwasser je Spülung, auch wenn sie nur für das kleine Geschäft aufgesucht wird. Das Hockurinal kommt ohne Spülung aus. Auf seiner Website rechnet das Unternehmen Betreibern mit einem Rechner vor, was das an einem Standort spart, und setzt dabei einen Wasserpreis von rund 3,97 Euro je Kubikmeter für Frisch- und Abwasser an. Die Ersparnis hängt damit stark davon ab, wie viele Menschen einen Ort besuchen.

Die Eckdaten des Pitches im Überblick:

Angabe Wert
Startup MISSOIR GmbH, Berlin
Gründerin Lena Olvedi, 44 Jahre
Produkt Hockurinal aus Edelstahl mit Spritzschutz und Haltegriffen, ohne Wasserverbrauch
Kundschaft Clubs, Festivals, Toilettenbetriebe sowie öffentliche und halböffentliche Orte
Forderung in der Sendung 180.000 Euro für 20 Prozent
Bewertung 900.000 Euro

Was kostet ein Missoir, und wo kann man es kaufen?

Einen Listenpreis gibt es nicht. In seinen Fragen und Antworten schreibt das Unternehmen, der Preis richte sich nach Anzahl und Ausführung der Sets, nach der Ausstattung mit oder ohne Trennwand und nach dem gewählten Zubehör. Ein Angebot gibt es auf Anfrage. Wichtig für alle, die nach einem Kaufknopf suchen: Missoir verkauft ausschließlich an gewerbliche und öffentliche Kundschaft, nicht an Privatleute. Das ist der größte Unterschied zu den übrigen Produkten dieses Sendeabends.

Benutzen kann man ein Missoir trotzdem, und zwar an überraschend vielen Orten. Das Unternehmen führt seine Standorte selbst auf:

Art des Orts Beispiele
Clubs und Veranstaltungsorte Berghain, Sisyphos, about blank, KitKatClub, Alte Münze, Else, Prisma und ROSA in Berlin, Südpol in Hamburg, Distillery in Leipzig, Club RAUM in Amsterdam
Festivals Fusion, Feel Festival, Whole Festival, Bucht der Träumer, MIT DIR, Waldfrieden
Toilettenbetriebe Goldeimer in Hamburg, nowato in Frankfurt am Main, ESCS Systems in Sebnitz
Öffentlicher Raum öffentliche Toiletten in Berlin, dazu Parks und eine Alpenvereinshütte in Osttirol

Markt und Vergleich: Wie groß ist das Problem?

Die Zahl, auf die sich Missoir am häufigsten beruft, stammt aus einer Studie der Universität Gent: Frauen stehen demnach über dreißigmal länger an als Männer. Der Grund ist weniger die Dauer des einzelnen Gangs als die Zahl der Plätze. Wo Männer Kabine und Urinal zur Wahl haben, gibt es für Frauen bisher nur die Kabine. Genau diese Lücke will das Startup schließen, und zwar nicht als Ersatz, sondern als zweite Option neben der Toilette.

Hockurinal mit Haltegriffen in einer dunkel verkleideten oeffentlichen Toilette in Berlin-Marzahn
Foto: Singlespeedfahrer

Einen belastbaren Hinweis auf die Akzeptanz liefert ein Pilotprojekt des Berliner Senats. Im Rahmen der nachhaltigen City-Toiletten wurden Missoirs im öffentlichen Raum aufgestellt und 2023 per Umfrage begleitet. 95 Prozent der Nutzerinnen bewerteten sie positiv, wie das Unternehmen unter Berufung auf die Befragung angibt. Eine unabhängige Veröffentlichung dieser Umfrage liegt uns nicht vor, die Zahl ist also eine Angabe des Startups.

Wettbewerb im engeren Sinn gibt es kaum. Trockenurinale für Männer sind seit Jahren Standard, ein serienreifes Pendant für Frauen war es bisher nicht. Die Berliner führen stattdessen Partner aus dem Umfeld nachhaltiger Sanitärtechnik als Kundschaft, darunter öklo aus Österreich und Goldeimer aus Hamburg. Der eigentliche Gegner heißt Gewohnheit: Wer eine Toilettenanlage plant, plant Kabinen und Pissoirs, weil Normen und Vorlagen es so vorsehen. Missoir wirbt deshalb mit einer Petition dafür, das Hockurinal in Vorschriften mitzudenken.

Unsere Einschätzung: Hat Missoir Potenzial?

Für das Startup spricht, dass es nicht mehr beweisen muss, ob das Produkt funktioniert. Die Geräte stehen seit Jahren in Clubs, auf Festivals und in öffentlichen Anlagen, es gibt Referenzkunden mit Namen und eine Serienfertigung. Die Forderung ist mit 180.000 Euro die zweitniedrigste des Abends, nach den 30.000 Euro von Razeco. Zum Vergleich: Kölsche Koks ruft 600.000 Euro auf, Fryzza und move2pay je 350.000 Euro.

Dagegen steht das Geschäftsmodell. Missoir verkauft Edelstahl an Betreiber, mit Einbau, Beratung und langen Entscheidungswegen, und ein beträchtlicher Teil der Kundschaft sitzt in Verwaltungen. Das ist das Gegenteil eines Produkts, das nach der Sendung tausendfach bestellt wird. Ein Löwe, der vor allem Regale füllt, bringt hier wenig. Gefragt wäre Zugang zu Kommunen, Bauherren und großen Veranstaltern, dazu Geld für Vorfinanzierung. Wer von den fünf Löwen dieser Staffel darauf einsteigt, entscheidet sich am Sendeabend. Wie oft aus einem Angebot in der Höhle am Ende ein Handschlag wird, zeigt die Deal-Quote dieser Staffel.

Bleibt der Aufmerksamkeitseffekt, und der dürfte groß sein. Ein Urinal für Frauen im Hauptprogramm ist ein Thema, über das am Dienstag geredet wird, auch von Leuten, die nie ein Angebot anfragen werden. Für ein Produkt, dessen größtes Hindernis die Gewohnheit ist, kann das mehr wert sein als das Investment.

Wir bleiben dran

Ob eine Löwin oder ein Löwe einsteigt, steht erst am Sendeabend fest. Wir ergänzen dieses Porträt am 19. Oktober 2026 während der Ausstrahlung um das Ergebnis. Wie die Vorwoche ausgegangen ist, steht in den Deal-Highlights der Folge 6. Alle Startups und Termine sammeln wir auf der Staffelseite zur Staffel 20, alles zur Sendung steht im Themenbereich Höhle der Löwen.

Häufige Fragen zu Missoir

Wann läuft Missoir bei Die Höhle der Löwen?

Missoir pitcht in Folge 7 der Staffel 20 am Montag, 19. Oktober 2026, ab 20:15 Uhr auf VOX. Bei RTL+ ist die Folge seit dem 12. Oktober 2026 abrufbar.

Hat Missoir einen Deal bekommen, und mit welchem Löwen?

Das Ergebnis liegt bis zur Ausstrahlung am 19. Oktober 2026 nicht vor. In der Sendung fordert Lena Olvedi 180.000 Euro für 20 Prozent der Anteile, was einer Bewertung von 900.000 Euro entspricht. Wir tragen das Ergebnis am Sendeabend hier nach.

Wer hat Missoir gegründet?

Gegründet hat Missoir die 44-jährige Lena Olvedi aus Berlin. Die Firma heißt MISSOIR GmbH, sitzt in der Oranienstraße 183 in 10999 Berlin und wird von Ilona „Lena“ Olvedi als Geschäftsführerin geführt.

Was kostet ein Missoir, und wo kann man es kaufen?

Einen Listenpreis nennt das Unternehmen nicht, der Preis hängt von Anzahl, Ausführung und Zubehör ab und wird auf Anfrage angeboten. Verkauft wird nur an gewerbliche und öffentliche Kundschaft, nicht an Privatpersonen, Stand Oktober 2026. Benutzen kann man Missoirs unter anderem im Berghain, im KitKatClub und auf dem Fusion Festival.

Wie kommt man in die Höhle der Löwen?

Bewerben kann sich jedes Startup selbst, mit Produkt, Zahlen und einer klaren Forderung. Welche Unterlagen die Produktionsfirma erwartet und wann die Bewerbungsfenster offen stehen, steht in unserem Leitfaden zur Bewerbung für die nächste Staffel.

Beitragsbild: Besucherinnen eines Festivals in einem mobilen Missoir, Foto: MissoirLenaOlvedi, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.

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Dennis Weidner ist Gründer und Chefredakteur von Gruenderfreunde.de. Das Portal startete 2013 neben seiner eigenen Selbstständigkeit, gehört bis heute keinem Verlag und wird vom Gründer selbst geführt. Diese Unabhängigkeit entscheidet, worüber hier geschrieben wird und worüber nicht. Sein Weg begann in der Bankenbranche, es folgten rund zehn Jahre Krypto und Online-Marketing. Heute verantwortet er mehrere Gesellschaften in Medien, E-Commerce und KI und arbeitet im Tagesgeschäft mit KI-Agenten. Daher kommen die Themen, über die er schreibt: Finanzierung, Steuern und Bürokratie, Vertrieb und Automatisierung, Standortwahl und Auswandern. Er schreibt über das, was er selbst gemacht hat, Umwege eingeschlossen, und stützt sich auf amtliche Quellen und Kontakte vor Ort. Die Beiträge ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung, sie sollen die eigene Entscheidung vorbereiten. Kontakt und weitere Beiträge über LinkedIn oder dennis-weidner.com.