Natürlich ist der Dresscode in Startups wesentlich salopper, als in anderen Unternehmen. Wer sich für ein Praktikum bei einer gerade gegründeten Firma bewirbt, braucht sich um sein Outfit nun wirklich wenig Gedanken zu machen. Nur 10 Prozent unseres beruflichen Erfolgs werden aber von Fachkompetenz bestimmt. Der Rest hängt von anderen Faktoren ab: den ungeschriebenen Gesetzen des Arbeitslebens – wie dem guten ersten Eindruck. Beispielsweise beim Zusammentreffen mit möglichen Investoren.

 Hier kommen daher die wichtigsten Tipps zu Stil und Etikette, zusammengefasst von Stil- und Image-Beraterin Stefanie Diller von DillerYourself:

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Stefanie Diller, Stil- und Image-Beraterin bei Diller Yourself

 

 

 

foto@ yvonne schmedemann

Hallo Stefanie, Gründer- und Startup-Teams sind ja in der Regel sehr leger unterwegs. So etwas wie einen Dresscode gibt es nicht. Dennoch gibt es Bereiche, wo der erste Eindruck zählt. Welche sind das?

Stefanie Diller:

Der erste Eindruck zählt immer, weil jeder Gesprächspartner binnen weniger Sekunden, in denen er Dich sieht, entscheidet: Bist Du sympathisch, vertrauenserweckend und kompetent? Erst dann wird er Dir zuhören und mehr Aufmerksamkeit schenken. Insofern sind alle Treffen wichtig, wo Du Dir Interesse und persönlichen Austausch wünschst. Es kann also neben dem wichtigen Termin bei der Bank der Kooperations- oder Netzwerkpartner sein, aber auch Treffen mit Mentoren oder anderen Entscheidern sind mögliche Bereiche, wo der erste Eindruck zählt.

Zu welchem Outfit rätst Du beispielsweise bei der Teilnahme an einem Branchen-Event?

Stefanie Diller:

Männer: Kein Hoody, das ist mir zu viel Garagen-Klischee. Ein unifarbenes Hemd in blau, weiß oder mit Streifen geht immer, dazu Jeans oder Chinos. Auch ein Polo ist im Sommer gut geeignet. Im Winter funktioniert auch ein schlichter Rundhals-Pullover mit hellem T-Shirt darunter. Turnschuhe oder Sneaker sind völlig okay.

Frauen: Nicht niedlich, nicht sexy, nicht zu viel Haut, keine kleinen Blümchenmuster. Stattdessen einfach schlichte Blusenshirts oder eine Tunika, Jeans oder Stoffhosen tragen. Was immer geht, ist ein gutes T-Shirt, dunkelblauer Blazer und Jeans dazu mit Sneakern. Mein Tipp: Nicht mehr als 3 Farben im Outfit tragen, das sieht immer harmonisch aus.

Und beim Meeting mit möglichen Investoren? Gibt es da einen Dresscode?

Stefanie Diller:

Generell sollte der Auftritt beim Investor etwas korrekter sein, weil wir nie wissen, mit wem wir es da zu tun haben werden. Junge Startups wird man optisch etwas weniger streng beurteilen als ältere, dafür umso genauer. Also: keine Tatoos zeigen, sie polarisieren (außer Du willst Dich mit einem Tatoo-Laden selbstständig machen) und keine Jeans mit großen Löchern, auch wenn es Mode ist.

Ich würde immer etwas mit Kragen empfehlen, also auch hier ein Hemd mit schmaler Passform, Poloshirt, Pullover und Jacke darüber. Keine Bermudas, dafür klassische Jeans, Chinos, Schnürschuhe oder gepflegte Sneaker. Wenn Du es gewohnt bist, auch mal ein Sacco zu tragen, dann passt es hier in jedem Fall. Solltest Du sonst nie eins tragen, könntest Du verkleidet wirken, weil Du Dich eventuell nicht angemessen darin bewegst. Dann fange mit einem sogenannten „Freizeitsacco“ an: Sie haben oft aufgesetzte Taschen, sind aus sportlicheren Baumwoll-Qualitäten oder im Winter aus gröberen Wolloptiken hergestellt. So ein wollgraues- oder blaues Jacket  sieht mit Jeans und braunen Schnürschuhen sehr gut aus. Abraten würde ich von LKW-Planentasche oder Jutebeuteln. Da Du sicherlich Unterlagen dabei hast, die Du aus der Tasche holst, wird man diese sehr wohl wahrnehmen. Ach ja: und lass mal jemanden ein Ganzkörperfoto von Dir machen, auch von hinten und schaue Dich dann noch einmal genauer an.

Frauen: Keine Ballerinas. Das sind Mädchenschuhe und Du hast keinen guten Gang darin. Entweder spitze Ballerinas, Stiefeletten oder hohe Hacken. Letztere gehen aber auch nur, wenn Du sicher und gut darin läufst. Unpassend sind Täschchen mit niedlichen Elementen wie Glitzersteinchen oder Beuteltaschen mit politischen Statements. Eckige Ledertaschen, in die DinA 4 passt, wirken immer businessmäßiger als runde und kleinere Formen. Insgesamt ist ein gepflegtes Äußeres angebracht, also gute Haare, dezentes Make-up und ordentliche Hände und Nägel. Ich würde nicht zuviel Schmuck tragen, der Dich wie einen Weihnachtsbaum aussehen lässt – sonst wandert der Blick Deines Gegenübers ständig an Dir herum.

Welche Fehler bemerkst Du immer wieder, wenn es um Business-Etikette geht?

Stefanie Diller: 

Wichtig ist:

  1. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit
  2. Den Namen des Gesprächspartners genau kennen und ihn auch damit ansprechen
  3. Themen wie Politik, Religion und Finanzen eher umgehen oder weglassen.
  4. Körperkontakt wie auf die Schulter klopfen und umarmen geht nur mit Freunden
  5. Sich im Gespräch nicht gelangweilt zeigen, aufs Handy gucken oder einfach weggehen.

Mit Eurer Optik legt Ihr Euch den roten Teppich für den Inhalt. Damit bedeutende Entscheider schnell auf euch aufmerksam werden!

Welchen abschließenden wichtigen Rat gibst Du unseren Gründerfreunden?

Stefanie Diller:

Seid mutig, seid persönlich, individuell und verliert euch nicht in Details. Schaut ab und zu aus Eurem eigenen Kosmos hinaus in die Welt der Anderen. Reflektiert Euch selbst. Wie schätzt Ihr Euch selber ein und wie wollt Ihr wahrgenommen werden? Stimmt das damit überein? Mit Eurer Optik legt Ihr Euch den roten Teppich für den Inhalt. Damit bedeutende Entscheider schnell auf euch aufmerksam werden!

Weitere kostenlose Tipps und Inspiration rund um Dein souveränes Auftreten gibt Stefanie Diller in ihrem blog  und dem zweiwöchentlichen Newsletter.