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Du weißt heute schon, dass in zwei Jahren eine neue Maschine fällig wird. Versteuern musst du den Gewinn, aus dem sie bezahlt werden soll, trotzdem sofort. Genau hier greift der Investitionsabzugsbetrag, kurz IAB: Er nimmt einen Teil der geplanten Anschaffung vorweg und drückt den Gewinn des laufenden Jahres, obwohl noch keine Rechnung existiert. Wer seinen Gewinn über eine Einnahmenüberschussrechnung ermittelt, darf ihn genauso nutzen wie ein bilanzierender Betrieb.

Was der Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG wirklich tut

Der IAB ist kein Zuschuss. Er verschiebt Steuerlast, mehr nicht. Was du heute abziehst, rechnest du im Jahr der Anschaffung wieder hinzu: Der Gewinn des Abzugsjahres sinkt, der Gewinn des Investitionsjahres steigt um denselben Betrag. Nach einem Nullsummenspiel klingt das nur so lange, bis man auf die Liquidität schaut. Geld, das du in diesem Frühjahr nicht ans Finanzamt überweist, steht dir für die Anzahlung zur Verfügung. Und wenn dein Steuersatz im Abzugsjahr höher liegt als im Investitionsjahr, bleibt am Ende sogar echte Ersparnis übrig.

Technisch läuft der Abzug außerhalb der Bilanz. Du buchst nichts, du erklärst es gegenüber dem Finanzamt. Nach § 7g Abs. 1 EStG sind bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten abziehbar. Eine konkrete Investitionsabsicht musst du dabei nicht nachweisen; es genügt, dass die Anschaffung in den drei folgenden Wirtschaftsjahren ernsthaft geplant ist. Anders sieht es aus, wenn der Betrieb erst in der Gründung steckt: Dann will das Finanzamt Kostenvoranschläge, Verhandlungen oder verbindliche Bestellungen sehen.

Getreide in einer Schütte wird durch ein Holzbrett in zwei Hälften geteilt
Symbolbild, mit KI erzeugt

Voraussetzungen: Gewinngrenze, Höchstbetrag und die Hürde der betrieblichen Nutzung

Der Gesetzgeber hat den IAB für kleine und mittlere Betriebe gebaut, und das merkt man an den Grenzen. Entscheidend ist eine einheitliche Gewinngrenze von 200.000 Euro im Wirtschaftsjahr, in dem du abziehen willst. Ob du bilanzierst oder eine EÜR abgibst, spielt dabei keine Rolle mehr. Daneben steht ein zweiter Deckel: Die Summe aller noch offenen Abzugsbeträge darf je Betrieb 200.000 Euro nicht übersteigen.

Begünstigt sind ausschließlich abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, neue wie gebrauchte. Immaterielle Wirtschaftsgüter wie Patente oder ein Firmenwert fallen heraus, eine Immobilie ebenfalls. Bei Software kommt es auf die Einordnung an: sogenannte Trivialsoftware zählt zu den beweglichen Gütern und ist begünstigt, andere Software nicht. Und dann ist da die Nutzungshürde, an der in der Praxis die meisten Fälle scheitern: Das Wirtschaftsgut muss zu mindestens 90 Prozent betrieblich genutzt werden, im Jahr der Anschaffung und im Jahr danach. Wer einen Wagen zu einem Drittel privat fährt, ist damit raus. Wie eng das wird, zeigt der Beitrag zum Firmenwagen und seiner Versteuerung.

Punkt Regel nach § 7g EStG
Abziehbarer Anteil bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten
Gewinngrenze 200.000 Euro im Wirtschaftsjahr des Abzugs
Höchstbetrag je Betrieb 200.000 Euro als Summe aller offenen Abzugsbeträge
Begünstigte Güter abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, auch gebrauchte
Betriebliche Nutzung mindestens 90 Prozent im Jahr der Anschaffung und im Folgejahr
Investitionsfrist drei Jahre nach Ablauf des Abzugsjahres
Zusätzlich möglich Sonderabschreibung von bis zu 40 Prozent nach § 7g Abs. 5 EStG

Quellen: IHK Ulm, Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung | IHK Ostthüringen, Wachstumschancengesetz

So rechnet sich der Investitionsabzugsbetrag

Der Effekt hängt an zwei Größen: an der Höhe der geplanten Anschaffung und an deinem persönlichen Steuersatz. Je weiter oben du im Tarif stehst, desto mehr bringt die Verschiebung. Umgekehrt gilt: Wer ohnehin kaum Steuern zahlt, verschenkt mit einem IAB eher Abschreibungsvolumen, als dass er etwas gewinnt.

Rechenbeispiel: eine Maschine für 40.000 Euro

Beispiel: Du führst eine Tischlerei und willst innerhalb der nächsten drei Jahre eine Kantenanleimmaschine für 40.000 Euro netto anschaffen. Dein Gewinn im laufenden Wirtschaftsjahr liegt bei 70.000 Euro, dein Grenzsteuersatz einschließlich Solidaritätszuschlag bei 35 Prozent.

Position Betrag
Gewinn vor Investitionsabzugsbetrag 70.000 Euro
Investitionsabzugsbetrag, 50 Prozent von 40.000 Euro 20.000 Euro
Gewinn nach Abzug 50.000 Euro
Entlastung bei 35 Prozent Grenzsteuersatz 7.000 Euro

Diese 7.000 Euro sind nicht geschenkt. Im Jahr der Anschaffung rechnest du den Abzugsbetrag gewinnerhöhend wieder hinzu und darfst im Gegenzug die Anschaffungskosten um denselben Betrag mindern. Die Abschreibung läuft danach nur noch von der gekürzten Bemessungsgrundlage. Unterm Strich hast du dir einen zinslosen Kredit des Finanzamts verschafft, und bei der Gewerbesteuer wirkt der niedrigere Gewinn ebenfalls: Wie sich das fortsetzt, steht im Beitrag zur Berechnung der Gewerbesteuer.

Die Investitionsfrist und was bei einem Rückzieher passiert

Die Anschaffung muss bis spätestens drei Jahre nach Ablauf des Wirtschaftsjahres erfolgt sein, in dem du den Investitionsabzugsbetrag abgezogen hast. Das ist eine harte Frist, keine Richtschnur. Wird nichts angeschafft, macht das Finanzamt den Abzug nach § 7g Abs. 3 EStG rückgängig und korrigiert die Veranlagung des Abzugsjahres. Aus dem alten Bescheid wird eine Nachzahlung.

Messing-Sanduhr auf einer Eichenbohle, der Sand rieselt nach unten
Symbolbild, mit KI erzeugt

Teuer wird dabei weniger die Steuer selbst als das, was oben draufkommt. Aus der Berichtigung ergibt sich eine Verzinsung nach § 233a AO, und der Zinslauf beginnt grundsätzlich 15 Monate nach dem Jahr, in dem die Steuer entstanden ist. Du zahlst also rückwirkend Zinsen für eine Zeit, in der du gar nicht wusstest, dass du etwas schuldest. Deshalb die praktische Regel: Bilde den IAB nur für Anschaffungen, die du wirklich vorhast, und lieber für einen zu kleinen Betrag als für einen zu großen. Merkst du früh, dass die Investition ausfällt, kannst du den Abzugsbetrag innerhalb der Frist jederzeit freiwillig ganz oder teilweise rückgängig machen. Das kostet dieselbe Nachversteuerung, begrenzt aber den Zinsschaden.

Quellen: IHK Ulm, Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung | IHK für München und Oberbayern, Investitionsabzugsbetrag

Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG: die zweite Stufe

Der IAB kommt selten allein. Wer seine Voraussetzungen erfüllt, darf im Jahr der Anschaffung zusätzlich eine Sonderabschreibung geltend machen, und die wurde deutlich angehoben: von 20 Prozent auf 40 Prozent der Investitionskosten nach § 7g Abs. 5 EStG. Sie gilt für bewegliche Wirtschaftsgüter, die nach dem 31.12.2023 angeschafft oder hergestellt werden.

Beide Instrumente greifen ineinander. Erst mindert der Abzugsbetrag den Gewinn im Vorfeld, dann kürzt die Hinzurechnung im Investitionsjahr die Anschaffungskosten, und auf diese gekürzte Basis legst du die Sonderabschreibung. Zusammen mit der regulären linearen Abschreibung ist ein erheblicher Teil des Kaufpreises schon im ersten Jahr aus dem Gewinn heraus. Wer dagegen die Kleinunternehmerregelung nutzt und kaum Gewinn ausweist, hat von dieser Mechanik wenig.

Quellen: IHK Ostthüringen, Wachstumschancengesetz

Häufige Fragen zum Investitionsabzugsbetrag

Können Freiberufler den Investitionsabzugsbetrag nutzen?

Ja. Seit die einheitliche Gewinngrenze gilt, kommt es nicht mehr darauf an, ob du bilanzierst oder eine Einnahmenüberschussrechnung abgibst. Maßgeblich ist allein, dass dein Gewinn im Jahr des Abzugs unter der Grenze bleibt und das Wirtschaftsgut die Bedingungen erfüllt.

Muss ich dem Finanzamt sagen, was ich kaufen will?

Nein, eine konkrete Benennung des Wirtschaftsguts ist nicht mehr verlangt. Die Daten zum Investitionsabzugsbetrag übermittelst du allerdings elektronisch mit der Steuererklärung. Bei einem Betrieb, der noch in der Eröffnungsphase steckt, prüft das Finanzamt die Investitionsabsicht genauer.

Was passiert, wenn die Anschaffung günstiger ausfällt als geplant?

Hinzugerechnet wird höchstens der Anteil, der auf die tatsächlichen Kosten entfällt. Ein überschießender Rest bleibt stehen und ist entweder für eine andere begünstigte Investition innerhalb der Frist zu verwenden oder rückwirkend aufzulösen. Plane deshalb eher vorsichtig.

Senkt der Investitionsabzugsbetrag auch die Gewerbesteuer?

Ja, denn Ausgangsgröße der Gewerbesteuer ist der nach dem EStG ermittelte Gewinn. Sinkt dieser durch den Abzug, sinkt auch der Gewerbeertrag. Bei Kapitalgesellschaften wirkt derselbe Mechanismus auf die Körperschaftsteuer.

Fazit

Der Investitionsabzugsbetrag ist eines der wenigen Instrumente, mit denen ein kleiner Betrieb den Zeitpunkt seiner Steuerlast selbst bestimmen kann. Bis zu 50 Prozent der geplanten Kosten mindern den Gewinn sofort, die Sonderabschreibung legt im Investitionsjahr nach, und die Grenzen von 200.000 Euro sind so gesetzt, dass die meisten Gründungen sie gar nicht berühren. Der Preis dafür ist Verbindlichkeit: Die Frist von drei Jahren läuft, und ein Rückzieher wird verzinst. Rechne die Entlastung also gegen die Wahrscheinlichkeit, dass die Anschaffung wirklich kommt, und sprich den Ansatz vor der Steuererklärung mit deinem Steuerbüro oder deiner Kammer durch.

Stand: 30. September 2026

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