Inhalt dieses Artikels

Viele Händler, ein Warenkorb, ein Checkout: So weit ist OneCircle ein Online-Marktplatz wie viele andere. Der Unterschied liegt vor dem Verkauf. Bevor eine Marke ins Sortiment kommt, prüft das kleine Team aus Schwandorf in der Oberpfalz, wer an ihr verdient, vom Lizenzgeber bis zum Hersteller, und was öffentlich über diese Firmen dokumentiert ist. Gründer Baris Mert Colak nennt das eine Regel, die Umsatz kostet. Wir haben uns angesehen, wie sie funktioniert und wo der Marktplatz zwei Monate nach dem Start steht.

OneCircle auf einen Blick

Frage Antwort
Was Online-Marktplatz mit Prüfung jeder Marke und der Firmen dahinter
Gründer Baris Mert Colak, Geschäftsführer
Unternehmen HelalLife UG (haftungsbeschränkt), Schwandorf, Amtsgericht Straubing, HRB 13760
Gegründet Oktober 2025, Marktplatz online seit 1. August 2026
Sortiment 120.062 Artikel, Stand 2. Oktober 2026
Impact-Fonds 10 Prozent des eigenen Marktplatzanteils, ohne Aufpreis für Kunden
Stand Anfang Oktober 8 Bestellungen, 3 aktive Händler, ein vierter zugesagt, 3 Lieferanten, nach Angaben des Gründers vom 7. Oktober 2026
Team vier Personen

Die Idee: erst prüfen, dann verkaufen

Die meisten Marktplätze listen, was Umsatz bringt. OneCircle hat sich für vier rote Linien entschieden, die für jeden Händler gleich gelten: keine Ausbeutung, keine Kinderarbeit, keine Kriegsfinanzierung, keine Unterdrückung. Finden sich belastbare Vorwürfe zu einem dieser Punkte, kommt die Marke nicht ins Sortiment. Stellt sich das erst später heraus, trennt sich der Marktplatz wieder von ihr. Jeder Händler unterschreibt dazu eine Selbsterklärung, geprüft wird aber unabhängig davon.

Dazu kommt eine Liste von Waren, mit denen OneCircle grundsätzlich nicht handelt, darunter Waffen, Tabak und Nikotin, Verzehrbares mit Alkohol, Glücksspiel, Erotikartikel, Produkte aus vermeidbaren Tierversuchen und Lebensmittel mit Bestandteilen vom Schwein. Das Team beschreibt das ausdrücklich als unternehmerische Entscheidung und nicht als Urteil über Menschen, die solche Produkte herstellen oder kaufen.

Wie tief die Prüfung geht, zeigt ein Beispiel aus den eigenen Unterlagen: Uhren der Marke Guess stellt nicht Guess her, sondern die Sequel AG in Zug, eine Tochter der Timex Group. Wer nur den Markennamen prüft, prüft ein Etikett, schreibt das Team. Es will jede Firma kennen, die an einer Marke verdient.

Wie die Prüfung funktioniert

Im Hintergrund des Shops läuft eine selbst gebaute Anwendung, die OneCircle-Sync-App. Sie hält Bestände und Preise der Lieferanten aktuell und führt die Sortimentsprüfung. Zu jeder Marke aus den Lieferantenfeeds ermittelt sie die beteiligten Firmen: Lizenzgeber, Lizenznehmer, Konzernmutter, Vertrieb. Dann laufen zwei Wege nebeneinander. Eine Recherche sucht nach Urteilen, Behördenentscheidungen, Berichten von Nichtregierungsorganisationen und Medienrecherchen. Parallel gleicht die App jede Firma mit einem eigenen Quellen-Index ab, der jede Nacht neu aus öffentlichen Listen entsteht, zuletzt mit 35.465 Einträgen. Dazu gehören Sanktionslisten der EU und der USA, die Liste des US-Arbeitsministeriums zu Waren aus Kinder- und Zwangsarbeit, die SIPRI-Liste der größten Rüstungsunternehmen und Beschwerden nach den OECD-Leitsätzen.

Entschieden wird am Ende von Menschen. Aus dem Fund entsteht ein Vorschlag, den das Team sichtet und als grün, gelb oder rot einstuft. Eine Sperre bestätigt immer eine zweite Person, gelb und rot lassen sich nur mit Quelle speichern, und jede Bewertung bekommt ein Datum zur Wiedervorlage. Neue Ware einer noch nicht bewerteten Marke bleibt so lange liegen. Hängt eine Marke an mehreren Firmen, zählt die schlechteste Bewertung, denn das Geld fließt trotzdem dorthin.

Gesperrt wird nur bei Beleg, also wenn eine Firma namentlich in einer belastbaren Quelle steht. Ein Boykottaufruf allein reicht nicht. Foren und Bewertungsportale zählen ebenfalls nicht als Quelle.

Was OneCircle ausdrücklich nicht verspricht

Bemerkenswert ist, wie offen das Team die Grenzen benennt. OneCircle vergibt kein eigenes Siegel und kontrolliert nicht vor Ort. Gearbeitet wird mit öffentlichen Quellen, und die finden nicht alles. Eine grüne Bewertung heißt deshalb nur: Gegen diese Firma ist nichts dokumentiert, nicht mehr und nicht weniger. Der Preis dafür ist ein aufwendiges Verfahren, das langsamer wächst als ein Marktplatz, der alles listet.

Eine Frage hört der Gründer nach eigenen Angaben oft: Ist das ein Halal-Marktplatz? Nein. Die Kriterien sind nicht religiös begründet, ein Halal-Nachweis ist weder nötig noch ein Kriterium. Der Firmenname HelalLife stammt aus der Gründungszeit, die Marke OneCircle steht für etwas anderes.

OneCircle-Gründer Baris Mert Colak mit verschränkten Armen vor einer hellen Wand
Gründer Baris Mert Colak. Foto: OneCircle / HelalLife UG

Der Impact-Fonds: zuerst zehn Prozent

Von dem Anteil, der nach Auszahlung der Händler beim Marktplatz bleibt, gehen zehn Prozent in einen Impact-Fonds, und zwar bevor OneCircle die eigenen Kosten abzieht. Der Fonds bekommt sein Geld also auch in Monaten, in denen für das Unternehmen unterm Strich nichts übrig bleibt. Bei Händlerware ist der Anteil die Provision, bei Ware aus eigenem Handel die Differenz zum Einkauf, gerechnet wird netto. Kunden zahlen nichts extra.

Die erste Auszahlung für August 2026 geht nach Angaben des Teams an Ärzte ohne Grenzen, der Beleg soll im Oktober im Shop stehen. Der Betrag ist klein, und das Team schreibt das selbst so: Eine Regel, die erst ab einem angenehmen Betrag gilt, sei keine Regel. Jede Auszahlung soll mit Betrag, Empfänger, Datum und Beleg auf der Seite Mitmachen und Impact stehen.

Der Stand nach zwei Monaten

Seit dem 1. August ist der Marktplatz unter onecircle-shop.de online. Anfang Oktober waren es nach Angaben des Gründers acht Bestellungen und drei aktive Händler, ein vierter hat zugesagt. Auf der Lieferantenseite sind es drei, vier bis fünf weitere sollten in der ersten Oktoberwoche dazukommen. Den Schwerpunkt legt das Team gerade auf Marketing, Vertrieb und Veranstaltungen. Dass ein Gründer solche Zahlen von sich aus nennt, ist selten, und es passt zum Ansatz. Die über 120.000 Artikel stammen überwiegend aus Lieferantenfeeds, die die Sync-App einbindet und prüft.

Hinter OneCircle stehen vier Leute: Baris Mert Colak als Gründer und Geschäftsführer, Marco Koc als Technical Director, Florian Schmitt als Head of Design und Dialoa Ouali als Head of IT. Technik, Prüfung und Händlerbetreuung macht das Team selbst.

Was als Nächstes kommt

Das Team will bewusst langsamer wachsen, „als es manchem Investor gefallen würde“. Auf der Liste stehen ein öffentliches Prüfregister, in dem zu jeder Marke steht, wann sie geprüft wurde und worauf die Bewertung beruht, eine laufende Übersicht über den Impact-Fonds und mehr geprüfte Händler in Bereichen, die noch dünn sind, etwa Drogerie und Körperpflege. Zertifikate und Herkunft sollen künftig direkt am Produkt stehen. Und die Lieferkettenprüfung wird ausgebaut, weil die EU mit der Verordnung über das Verbot von Produkten aus Zwangsarbeit ab Dezember 2027 solche Waren vom Markt verbannt. Wie junge Unternehmen solche Nachhaltigkeitsfragen ihrer Geschäftspartner beantworten, haben wir im Beitrag zum VSME-Standard für ESG-Fragebögen zusammengefasst.

Unsere Einschätzung

OneCircle stellt eine Frage, die große Marktplätze kaum beantworten: Wer verdient eigentlich an dem, was ich kaufe? Die Antwort ist aufwendig, und das Team tut nicht so, als wäre sie vollständig. Genau das macht den Ansatz glaubwürdig. Die Herausforderung ist der Weg dorthin. Mit wenigen Händlern und einer Handvoll Bestellungen muss OneCircle nun zeigen, dass genug Menschen bewusst einkaufen wollen, um die gründliche Prüfung zu tragen. Ein öffentliches Prüfregister wäre dafür ein starkes Argument. Wir bleiben dran.

Wer selbst einen Onlineshop startet, findet die Pflichten rund um Verpackungen in unserer Checkliste zum Verpackungsregister LUCID. Weitere junge Unternehmen stellen wir regelmäßig vor, zuletzt in unserer Übersicht Neue Startups im Oktober 2026.

Häufige Fragen zu OneCircle

Was ist OneCircle?

Ein Online-Marktplatz aus Schwandorf in der Oberpfalz, der vor der Aufnahme jeder Marke prüft, welche Firmen an ihr verdienen und ob gegen sie belastbare Vorwürfe zu Ausbeutung, Kinderarbeit, Kriegsfinanzierung oder Unterdrückung dokumentiert sind.

Ist OneCircle ein Halal-Marktplatz?

Nein. Die Prüfkriterien sind nach Angaben des Unternehmens nicht religiös begründet, ein Halal-Nachweis spielt keine Rolle. Der Firmenname HelalLife stammt aus der Gründungszeit.

Was ist der Impact-Fonds?

Zehn Prozent des Anteils, der nach Auszahlung der Händler beim Marktplatz bleibt, gehen monatlich an geprüfte Organisationen, ohne Aufschlag auf den Preis. Empfänger der ersten Auszahlung für August 2026 ist nach Angaben des Teams Ärzte ohne Grenzen.

Wer steht hinter OneCircle?

Gründer und Geschäftsführer ist Baris Mert Colak. Betreiberin ist die HelalLife UG (haftungsbeschränkt) mit Sitz in Schwandorf, eingetragen beim Amtsgericht Straubing unter HRB 13760.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Grundlage sind die Angaben des Unternehmens per Mail und in zwei Informationsheften mit Stand vom 2. Oktober 2026.

Newsletter abonnieren

Vorheriger ArtikelEU Data Act 2026: Checkliste für SaaS-, IoT- und KI-Startups
Gründerfreunde
Dennis Weidner ist Gründer und Chefredakteur von Gruenderfreunde.de. Das Portal startete 2013 neben seiner eigenen Selbstständigkeit, gehört bis heute keinem Verlag und wird vom Gründer selbst geführt. Diese Unabhängigkeit entscheidet, worüber hier geschrieben wird und worüber nicht. Sein Weg begann in der Bankenbranche, es folgten rund zehn Jahre Krypto und Online-Marketing. Heute verantwortet er mehrere Gesellschaften in Medien, E-Commerce und KI und arbeitet im Tagesgeschäft mit KI-Agenten. Daher kommen die Themen, über die er schreibt: Finanzierung, Steuern und Bürokratie, Vertrieb und Automatisierung, Standortwahl und Auswandern. Er schreibt über das, was er selbst gemacht hat, Umwege eingeschlossen, und stützt sich auf amtliche Quellen und Kontakte vor Ort. Die Beiträge ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung, sie sollen die eigene Entscheidung vorbereiten. Kontakt und weitere Beiträge über LinkedIn oder dennis-weidner.com.