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Der erste volle Tag des Entrepreneurship Summit 2026 hat am Samstag, 17. Oktober, im Audimax der Freien Universität Berlin gezeigt, wie Gründen gelingt, wenn Scheitern nichts kostet. Helmut Schönenberger von UnternehmerTUM erklärte, warum 85 Prozent der Firmen aus der TU München erfolgreich sind, FRoSTA-Chef Felix Ahlers erzählte, wie das Reinheitsgebot erst die Hälfte des Absatzes kostete, und Ecosia-Gründer Christian Kroll sprach über Europas Chancen gegen Big Tech. Dazu kamen eine Weltmeisterin, ein Frauenarzt mit einem neuen Beruf für blinde Frauen und sieben Gründerteams, die live verkauft haben.
Gastgeber ist die Stiftung Entrepreneurship von Teekampagne-Gründer Günter Faltin. Den Auftakt am Freitagabend mit Jeannette zu Fürstenberg beschreibt unser Bericht vom Fireside Chat. Am Sonntag geht der Summit weiter, Tickets gibt es über Eventbrite, mit dem Code GRUENDERFREUNDE 20 Prozent günstiger. Programm und Speaker stehen in unserem Vorbericht zum Entrepreneurship Summit 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- 1.400 Anmeldungen und mehr als 140 Speaker zählt der Summit 2026, alle Speaker treten ehrenamtlich auf.
- Aus gut 1.000 Projektteams an der TU München entstehen nach Schönenbergers Worten rund 150 Gründungen, 85 Prozent davon sind erfolgreich.
- An der TU München gründet jeder 300. Studierende pro Jahr, und das ist der Spitzenwert in Deutschland.
- Seit 2003 verzichtet FRoSTA auf Zusatzstoffe; danach sank der Absatz laut Felix Ahlers auf die Hälfte, die Erholung dauerte rund drei Jahre.
- 7 Gründerteams verkaufen im Proof of Concept live, das Ergebnis kommt am Sonntag, 18. Oktober.
- Ecosia ist seit 2009 ohne Wagniskapital gewachsen und hat nach Christian Krolls Worten mehr als 250 Millionen Bäume gepflanzt.

Günter Faltin zum Auftakt: „Gibt es dafür auch einen Schein?“
Bevor die Keynotes begannen, spielte die Band Gertrude, und die Moderatorinnen Dr. Johanna Richter von der Stiftung Entrepreneurship und Dörte Roloff gaben das Thema des Wochenendes aus: KI schreibt heute Businesspläne, Apps und Prototypen, wofür früher große Teams und viel Geld nötig waren. Die Chancen verschieben sich damit zu den Kleinen, den Mutigen und den Unkonventionellen. Mehr als 140 Speaker treten an diesem Wochenende auf, alle ehrenamtlich, organisiert von einem Team aus fünf Leuten. Die Räume stellt die Freie Universität mietfrei.
Günter Faltin erinnerte an seine erste Lehrveranstaltung zum Gründen an derselben Universität, rund 40 Jahre her. Fünf Studenten kamen, und sie hatten eine gemeinsame Frage: „Gibt es dafür auch einen Schein?“ In diesem Jahr zählt der Summit nach Faltins Worten 1.400 Anmeldungen. Seine Botschaft lehnte sich an Hannah Arendts „Vita activa“ an. Das Leben beginnt, wenn man es selbst in die Hand nimmt, und Verantwortung entsteht dort, wo jemand etwas in die Welt setzt, statt sie nur einzufordern. Das muss nicht heißen, eine Firma zu gründen. Faltins Formel dafür: „Become the entrepreneur of your life.“
Helmut Schönenberger (UnternehmerTUM): Die Uni als Paradies, in dem Scheitern nichts kostet
Den stärksten Moment des Vormittags lieferte das Gespräch zwischen Faltin und Prof. Helmut Schönenberger, Mitgründer und Chef von UnternehmerTUM, dem Gründerzentrum der Technischen Universität München. Die Financial Times hat es im Februar 2026 zum dritten Mal in Folge zum besten Start-up-Zentrum Europas gekürt. Faltin las einen Satz vor, mit dem Schönenberger zitiert wird: Aufgabe der Universität sei es, den Studenten ein Paradies zu bieten, in dem sie ihre Träume verwirklichen können.
Was dieses Paradies praktisch bedeutet, erklärte Schönenberger mit Zahlen. UnternehmerTUM betreut nach seinen Worten mehr als 1.000 Teams im Jahr und erreicht 15.000 Menschen jährlich. Über zehn Jahre wären das 150.000, also rund jeder zehnte Münchner. Jede Woche kommen bei den Teams rund 40 Millionen Euro Wagniskapital an, im Jahr entstehen 4.000 bis 5.000 Hightech-Arbeitsplätze. Aus Studierendeninitiativen wie der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt ging Isar Aerospace hervor. Die Gründer waren damals 23, als sie verkündeten, sie wollten die Ariane schlagen.
Der eigentliche Trick liegt im Scheitern. „Also wir haben halt versucht, die Uni als Paradies zu bauen, in dem man easy scheitern kann“, sagte Schönenberger. Studierende und Forschende testen in Projekten während der Uni-Zeit, ob die Technik trägt und ob es einen Pilotkunden gibt, und gründen erst danach aus. Aus gut 1.000 Projekten werden so rund 150 Gründungen, und von diesen Firmen sind nach seinen Worten 85 Prozent erfolgreich. Wer unterwegs scheitert, hat trotzdem eine gute Masterarbeit geschrieben und viel gelernt.

Wie selten Gründen trotzdem bleibt, machte Schönenberger auf eine Publikumsfrage hin klar. „Das ist ja kein Breitensport, sondern das ist ein Spitzensport“, sagte er. An der TU München, der gründungsintensivsten Uni Deutschlands, gründet nach seinen Worten jeder 300. Studierende pro Jahr. Im Saal saßen rund 300 Menschen, gemeint war also: einer von ihnen pro Jahr. Laut TUM gab es 2025 insgesamt 115 Ausgründungen.
Zum Schluss nannte Schönenberger einen Hebel, den jede Hochschule sofort ziehen kann. An der TUM schreiben 100 Masterstudierende ihre Abschlussarbeit über ihr eigenes unternehmerisches Thema. Daraus entstehen nach seinen Worten mehr als 30 neue Firmen pro Jahr, und die Universität kostet das keinen Euro zusätzlich. „Wenn das jede deutsche Uni machen würde, dann wäre Deutschland das gründungsstärkste Land dieser Welt“, sagte er. Seine Bitte an den Saal: gut über das eigene Land reden und Botschafter sein, denn Partner im Ausland wollen mit Leuten arbeiten, die zuversichtlich sind.
| UnternehmerTUM und TU München | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Betreute Teams pro Jahr | mehr als 1.000 | Schönenberger beim Summit |
| Erreichte Menschen pro Jahr | 15.000 | Schönenberger beim Summit |
| Wagniskapital pro Woche | rund 40 Millionen Euro | Schönenberger beim Summit |
| Neue Hightech-Arbeitsplätze pro Jahr | 4.000 bis 5.000 | Schönenberger beim Summit |
| Erfolgsquote der Ausgründungen | 85 Prozent | Schönenberger beim Summit |
| Gründungen aus dem Masterarbeitsprogramm | mehr als 30 pro Jahr | Schönenberger beim Summit |
| Ausgründungen der TUM | 115 im Jahr 2025 | TUM, Daten und Fakten |
| Rang im Financial-Times-Ranking der Start-up-Zentren | Platz 1, zum dritten Mal in Folge | FT und Statista, Februar 2026 |
Für Gründer, die gerade an einer Hochschule forschen, lohnt der Blick auf die Förderwege, die solche Ausgründungen tragen. Wie der Weg aus der Forschung ins eigene Unternehmen finanziert werden kann, zeigt unser Praxis-Check zum EXIST-Forschungstransfer.
Felix Ahlers und FRoSTA: Warum das Reinheitsgebot erst die Hälfte des Absatzes kostete
Felix Ahlers kam mit Verspätung, sein Zug hing fest, und Alexander Straub rückte vor. Dann lieferte der Vorstandschef von FRoSTA die stärkste Fallstudie des Tages. Ahlers ist gelernter Koch. Als er ins Familienunternehmen kam, so erzählte er, aß niemand im Haus die eigenen Gerichte, weil alle wussten, was drinsteckte. 2003 führte FRoSTA sein Reinheitsgebot ein: keine Farbstoffe, keine Aromen, keine Geschmacksverstärker, keine Emulgatoren.
Der Markt reagierte zunächst hart. „Die Produkte werden zwar 15 Cent teurer, aber wir haben eben plötzlich nur noch die Hälfte verkauft“, sagte Ahlers. Händler listeten aus, und bis sich der Absatz erholte, vergingen nach seinen Worten rund drei Jahre. Durchgehalten hat das Unternehmen, weil die Belegschaft die Umstellung selbst mitentwickelt hatte. Wer von einer Idee überzeugt ist, die er selbst gebaut hat, gibt sie in der Durststrecke nicht auf.

Heute ist Transparenz Teil der Marke. Über einen Code auf der Packung lässt sich für jedes Produkt nachverfolgen, woher die Zutaten kommen, auch wenn die Antwort unbequem ist, etwa Brokkoli aus Ecuador. Ahlers verteidigt solche Entscheidungen mit Daten statt mit Bauchgefühl, auch beim CO2-Fußabdruck. „Und das ist, glaube ich, eine Art der Transparenz, die dazu führt, dass man glaubwürdiger ist“, sagte er. Mit Solino hat Ahlers außerdem eine Kaffeemarke aufgebaut, die in Äthiopien röstet und verpackt, statt nur Rohkaffee zu exportieren. Auch dort gehörten Fehler zum Anfang, bis hin zu einem Barcode, der an der Kasse nicht lesbar war und teure Luftfracht nach sich zog.
Alexander Straub: KI ist ein Werkzeug, und alles Bestehende ist angreifbar
Seriengründer Alexander Straub, Maschinenbauer aus Darmstadt mit Stationen im Silicon Valley, sieht KI als Werkzeug wie einst den Taschenrechner. Europa solle sie nicht zwei US-Konzernen überlassen, sondern auf offene Modelle und eigene Systeme setzen. Seine neue Website hat er von einer KI bauen lassen, obwohl er seit 30 Jahren nicht mehr programmiert hat. Für Gründer zog er zwei Lehren. Erstens ist alles, was heute existiert, „ersetzbar und angreifbar“, die Chance liegt in neuen Anwendungen. Zweitens braucht es Geduld: „Also die großen Unternehmen und die großen Gründungen unserer Zeit sind immer unprofitabel für 10, 15, 20 Jahre.“
Dr. Frank Hoffmann und discovering hands: Blinde Frauen ertasten Brustkrebs früher
Der Duisburger Frauenarzt Dr. Frank Hoffmann erzählte, wie aus einer Einschränkung ein neuer Beruf wurde. Für die Tastuntersuchung der Brust bleiben Ärzten im Praxisalltag oft nur wenige Minuten. Unter der Dusche kam ihm der Gedanke, dass blinde Menschen besser tasten. Daraus entstand discovering hands, ein Sozialunternehmen, das blinde und sehbehinderte Frauen zu Medizinisch-Taktilen Untersucherinnen ausbildet. Sie untersuchen 45 bis 60 Minuten lang und arbeiten immer im Tandem mit einer Ärztin oder einem Arzt. Laut discovering hands ertasten sie rund 30 Prozent mehr Gewebeveränderungen, und diese sind im Schnitt etwa halb so groß.
Den größten Widerstand gab es nach Hoffmanns Worten aus den eigenen Reihen, überzeugt hat am Ende der Nutzen für die Patientinnen. „Und es schafft ein Berufsbild für Menschen, die wir eigentlich immer nur in ihrer Behinderung, aber nicht in ihren Stärken kennenlernen“, sagte er. Seine Lehre für Gründer: Kreativität entsteht oft aus Beschränkung, und die beste Idee kommt manchmal morgens, „wenn man nicht mehr ganz schläft und noch nicht ganz wach ist“.

Susi Erdmann und Horst Lutz: Was Gründer von einer Weltmeisterin und Life Kinetik lernen
Susi Erdmann ist neunfache Weltmeisterin im Rennrodeln und im Bob und hat drei olympische Medaillen gewonnen. Mit zehn sah sie drei deutsche Rodlerinnen auf dem Podest, damit stand ihr Ziel fest. Zwei Werkzeuge aus dem Leistungssport lassen sich direkt auf Gründer übertragen. Erstens das Tagebuch: Erdmann hielt Rennen, Gefühle, Material und Training fest und lernte daraus, wie sie unter Druck reagiert. Zweitens der Mut zum Neuanfang. Der Wechsel vom Rodeln in den Bob, damals eine Männerdomäne, war für sie selbst eine Gründung. Sie finanzierte alles selbst und gründete eine GmbH, um Anschieber, Material und Trainingslager abzurechnen.
Horst Lutz, Erfinder von Life Kinetik, verbindet Wahrnehmung, Denken und ungewohnte Bewegung zu einem Gehirntraining. Neue, ungewohnte Aufgaben zwingen das Gehirn, neue Verbindungen zu bilden, Fehler sind dabei ausdrücklich erwünscht. Lutz ließ den ganzen Saal nach Zahlen Schultern und Arme heben, und wer sich vertat, trainierte gerade richtig. Seine Regel: Bei Life Kinetik verliert nur, wer nicht mitmacht. Nach der Mittagspause holte Lutz den Saal mit einer zweiten Runde wieder aus dem Sitzen.

Proof of Concept 2026: Sieben Gründerteams verkaufen live im Audimax
Das bekannteste Format des Summits ist der Proof of Concept. Sieben Teams pitchten je 60 Sekunden auf der großen Bühne, danach konnten die Gäste an den Ständen testen und kaufen. Gezählt werden Umsatz und Bestellungen, nicht Applaus. Moderatorin Dörte Roloff drehte die übliche Marktforschung um: Entscheidend ist nicht, wer kaufen würde, sondern wer kauft. Den Gong schlug Achim Oberhauser von fairHANDLER, laut Moderation Sieger des Vorjahres. Sein Rat an die Teams: „Also es ist der eine entscheidende Kunde, der zu einem Fan wird.“

| Team | Was es verkauft |
|---|---|
| VAYRA | Eine vegane Mahlzeit als Pulver, die mit heißem Wasser in unter zwei Minuten zur sättigenden Schoko-Bowl wird |
| SHOTSU | Ein kalter Shot aus japanischem Gyokuro-Grüntee, mit Koffein und L-Theanin statt künstlicher Wachmacher |
| lino & lou | Kindergeburtstage als Themenwelt für zu Hause, mit Geschichten, Spielen und Mitmachmomenten |
| Schattenkleidung | Alltagsmode nach dem Vorbild der Wüste, Kernstück ist das Wüstenhemd mit Luftschicht |
| Lieblingsstücke bewahren | Verschlissene Lieblingskleidung wird im Wunschstoff neu genäht |
| HUB42 | 72 Meter Regal im Alexa am Alexanderplatz, die Hersteller zentimeterweise mieten, ab 59 Euro im Monat |
| SafeMentor | Eine sichere Lern-KI für Kinder, die mit Gegenfragen zum eigenen Denken anregt |
Für alle, die ihren eigenen Auftritt vorbereiten: Wie man eine Idee in einer Minute erklärt, zeigt unser Leitfaden zum Elevator Pitch. Und wer eine Bühne mit Preisgeld sucht, findet die Fristen im Kalender der Gründerwettbewerbe.
Christian Kroll (Ecosia) im Panel: David gründet, Goliath lobbyiert
Um 12:15 Uhr ging es im Audimax um eine Frage, die Gründer gern verdrängen: Wie wird ein junges Unternehmen politisch wirksam? Auf dem Podium saßen Ecosia-Gründer Christian Kroll, die Nachfolgeberaterin Carola von Peinen, Antje Meyer von nextblooming und Elisabeth Pichler von der Stiftung Verantwortungseigentum, moderiert von Katrin Elsemann von der European Climate Foundation.

Kroll erzählte, wie Ecosia 2018 anbot, RWE den Hambacher Wald abzukaufen, und damit als Suchmaschine in einer Kohledebatte weltweit Schlagzeilen machte. Im Alltag sieht Lobbyarbeit nüchterner aus: Der Gegenseite sitzen nach seinen Worten bei Wettbewerbsfragen mal 30 Anwälte gegenüber, Ecosia kommt mit einer Person. Sein Befund: „Meinung hängt sehr, sehr stark an, wie viel Budget bin ich dafür bereit auszugeben.“ Wer durch unfairen Wettbewerb behindert wird, sollte deshalb die Wettbewerbsbehörden ansprechen und dafür rund zehn Prozent seiner Zeit einplanen.
Die anderen drei gaben handfeste Wege mit. Antje Meyer sitzt seit fast 20 Jahren in der IHK Berlin und rät, Kammern von innen zu verändern: kandidieren, die Hand heben, Aufgaben übernehmen. Die Vollversammlung kostet vier Nachmittage im Jahr. Carola von Peinen empfiehlt, außerhalb der eigenen Blase nach gemeinsamen Nennern mit der klassischen Wirtschaft zu suchen und Ehrenämter dort zu wählen, wo sie Netzwerk, Kunden oder Energie zurückgeben. Elisabeth Pichler beschrieb, wie die Stiftung Verantwortungseigentum für eine neue Rechtsform kämpft, und wie guter Lobbyismus je nach Lage zwischen Vertrauen, Verständnis, Lautstärke und Legitimation wechselt. Der einfachste erste Schritt für alle im Saal: der eigenen Wahlkreisabgeordneten sachlich schreiben, mit einem Vorschlag statt einer Klage. Eine Antwort, hieß es auf dem Podium, kommt immer.
Christian Kroll (Ecosia): Wie europäische KI gegen Big Tech gewinnen kann
Nach der Mittagspause holte Horst Lutz den Saal mit Life Kinetik zurück, und ein Spontangast zeigte einen humanoiden Roboter, den Schulklassen selbst ausdrucken und zusammenbauen. Dann kam die Keynote, auf die viele gewartet hatten. Christian Kroll gründete Ecosia 2009 als Suchmaschine, die mit ihren Einnahmen Bäume pflanzt. Nach seinen Worten sind es inzwischen mehr als 250 Millionen.
Seine Geschichte ist eine Geschichte gelöster Abhängigkeiten. Weil Ecosia in fremden Browsern kaum vorkam, baute das Team erst einen eigenen Mobilbrowser, dann einen für den Desktop. Als Microsoft 2023 die Preise für Suchergebnisse drastisch anhob, nach Krolls Worten um den Faktor zehn, entwickelte Ecosia mit einem Partner aus Frankreich einen eigenen europäischen Suchindex. Und all das, betonte er, „ohne Venture Capital“. Gerade das habe Ecosia zu Disziplin gezwungen. Durch das Verantwortungseigentum kann die Firma nicht verkauft werden.

Für Europas KI-Zukunft hatte Kroll ein Bild aus seiner Kindheit. Wenn die Mutter mahnte, der frühe Vogel fange den Wurm, antwortete er: „ja, aber die zweite Maus kriegt den Käse.“ Europa müsse den Wettlauf um die größten Rechenzentren nicht mitlaufen. Es könne offene Modelle effizient selbst betreiben, mit Ökostrom und Servern an Standorten ohne Wasserknappheit. Bei Ecosia koste eine KI-Anfrage inzwischen weniger als eine Websuche. Das eigentliche Hindernis sei nicht das Geld, sondern die Marktmacht der Konzerne über Voreinstellungen auf Smartphones und in Browsern.
Sein Rat an Gründer fiel ermutigend aus. Es sei die beste Zeit zum Gründen, KI mache Teams um ein Vielfaches schneller. „Also wirklich der limitierende Faktor ist oft nur die Idee, gar nicht so viel Kapital“, sagte Kroll. Wie Gründer die Abhängigkeit von US-Software im eigenen Betrieb prüfen, zeigt unser Beitrag zum Startup-Tech-Stack und US-Tools.
Margret Rasfeld und weitere Gründer: Interviews mit Entrepreneuren
In der Interviewrunde führten Johanna Richter und Günter Faltin durch fünf kurze Gespräche. Prof. Mike Friedrichsen von der German University of Digital Science will Entrepreneurship nicht als Wahlfach, sondern „von Anfang an in der DNA“ jedes Studierenden verankern. Nicht jeder müsse gründen, aber jeder solle unternehmerisch denken lernen.
Margret Rasfeld, Gründerin der Initiative Schule im Aufbruch, antwortete auf die Frage, was im Schulsystem falsch läuft, mit einem Wort: „Alles.“ In ihrem Fach „Herausforderung“ ziehen Jugendliche mit etwa 14 Jahren drei Wochen in der Gruppe los, mit 150 Euro in der Tasche, und kommen gewachsen zurück. Mit dem Format FREI DAY arbeiten Schulklassen einen Tag pro Woche an einem selbst gewählten Problem. Ihr schönstes Beispiel: Grundschüler setzten eine verkehrsberuhigte Zone durch, an der Erwachsene jahrelang gescheitert waren.

Vivian Breucker gründet mit zwei Mitgründern eine Schule, die die Stärken mehrsprachiger Kinder in den Mittelpunkt stellt. Ihr Satz dazu: „Bildung und Business gehört zusammen.“ Christian Saathoff von der TAB eG sprach offen über seine Depression und darüber, wie Projekte statt Frontalunterricht ihm im Studium geholfen haben. Heute wirbt er mit langen Touren zu Fuß und auf dem Rad dafür, dass gerade Männer über psychische Gesundheit reden. Wer selbst Hilfe sucht, erreicht die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenlos unter 0800 111 0 111.
Nils Söder und Shabbir Maimoon bauen mit Zahln ein Bezahlsystem nach dem Vorbild des indischen UPI, das ohne teure Kartengebühren auskommt. Ihre wichtigste Lehre aus dem Markteintritt: „du kannst kein Bezahlsystem aufbauen, wenn du keine Nutzer hast, dann interessiert sich niemand für dich.“ Deshalb starten sie an Hochschulen und Studierendenwerken, wo viele Nutzer auf engem Raum zusammenkommen. Faltin nannte das Arbitrage, ein bewährtes Modell aus einem anderen Land übertragen, und lieferte gleich eine Vertriebsidee: Händler teilen sich die gesparte Kartengebühr mit ihren Kunden.
Funding the Future: Was Denttabs, Reflecta und ein VC-Fonds Gründern raten
Ab 16 Uhr ging es um Geld. Prof. Alexander Zureck, Präsident des Bundesverbands Deutscher Volks- und Betriebswirte, stellte seinem Podium einen erfundenen Gründer vor, der eine Idee und acht Stunden pro Woche hat. Axel Kaiser, der mit Denttabs seit fast 25 Jahren Zahnputztabletten statt Zahnpasta verkauft, eröffnete mit einem bewusst harten Rat: „lass es.“ Wer trotzdem gründet, solle erst lernen, mit vielen Kunden reden, klein anfangen und nie persönlich bürgen. Sein Leitspruch: „erst kommt richtig, dann kommt Geld.“

Katharina Beitz, die bei einem Wagniskapitalfonds die Investorenbeziehungen verantwortet, erklärte, warum acht Stunden pro Woche kein Fall für Risikokapital sind. VC-Geld sei teuer, und Investoren verhandeln geübter: „Wir machen das neunmal im Monat. Du machst es einmal in zwei Jahren.“ Mit heutigen KI-Werkzeugen erwartet sie einen Prototyp in ein bis zwei Monaten. Was sie bei Gründern sucht, kann keine Maschine liefern: „Also die Obsession ist etwas, das kann ich mir nicht prompten.“
Alexander Straub teilte Investoren in Herdentiere und die wenigen ein, die wirklich verstehen, was ein Gründer tut, und riet, nur deren Geld zu nehmen. Sein Motto für die Ansprache: „If I ask for money, I get advice.“ Daniela Mahr von Reflecta, einem Netzwerk für Gründer mit gesellschaftlicher Wirkung, ergänzte die Förderseite: Welche Mittel passen, hängt von der Phase ab, Förderung und Investment lassen sich kombinieren, und am Ende zählt, welches Geld zur eigenen Person passt. Wie die einzelnen Wege funktionieren, erklären unsere Ratgeber zu Venture Capital, zu Business Angels und zum Bootstrapping.
Klimaschutz als Geschäftsmodell: Nutzen verkaufen statt das Gute
Das letzte Panel des Tages, moderiert von Marie-Lucie Linde, drehte eine verbreitete Annahme um. „Klimaschutz wird zum Geschäftsmodell, wenn er langweilig wird“, sagte Susanne Rönnefarth von der Future Forest Initiative. Christian Bergius von RESPOND verkauft Schwammwälder, Moore und Auen nicht als Klimaschutz, sondern als Wasserversorgung für Werke und Rechenzentren in der Nähe: „Klimaschutz wird dann zum Geschäftsmodell, wenn es nicht das Haupt- oder erste Verkaufsargument ist.“ Den Fall rechnet er über die Kosten des Gegenteils, etwa Produktionsstopps oder nicht versicherte Flutschäden.

Julian Ströh von ForTomorrow kauft mit Spenden Emissionsrechte aus dem europäischen Emissionshandel und legt sie still. Klimapsychologe Fabian Hirt riet, Klimaschutz mit der Potenzialbrille statt der Pflichtbrille zu betrachten: Ein Produkt muss das einfachste, günstigste oder beste sein, und glaubwürdige Botschafter wie Versicherer oder Bankberater überzeugen mehr als Appelle. Anna Reichenbach, die ihr Materialunternehmen im Venture Builder Carbon13 gegründet hat, sieht ihre Konkurrenz nicht bei anderen Herstellern, sondern bei KI- und Simulationsanbietern. Bergius zog das nüchternste Fazit des Abends: Ein Startup allein bewegt wenig, entscheidend ist, die Großen mitzunehmen.
Sieben Lehren vom ersten Tag des Entrepreneurship Summit
Was nimmt jemand mit, der nicht im Audimax saß? Aus neun Stunden Programm sind es diese sieben Punkte:
- Früh und billig scheitern: Wer Technik und Pilotkunden noch im Projekt testet, gründet später erfolgreicher, an der TU München zu 85 Prozent (Helmut Schönenberger).
- Qualität kostet erst Umsatz: Ein radikaler Schritt braucht das Team als Rückhalt, bei FRoSTA dauerte die Erholung rund drei Jahre (Felix Ahlers).
- Kaufen statt würde: Nur echte Bestellungen sagen, ob ein Produkt trägt, darum zählt im Proof of Concept allein der Umsatz.
- Abhängigkeiten selbst lösen: Ecosia baute Browser und Suchindex selbst, als andere die Bedingungen diktierten, und wuchs ohne Wagniskapital (Christian Kroll).
- Politisch mitreden: Vier Nachmittage im Jahr in der Kammer oder eine sachliche Mail an die Wahlkreisabgeordnete bewegen mehr als Klagen.
- Erst Rat, dann Geld: Nicht jedes Geld passt, und Investoren verhandeln öfter als Gründer (Katharina Beitz, Alexander Straub).
- Nutzen verkaufen: Klimaschutz verkauft sich als Wasserversorgung, Kostensenkung oder besseres Produkt, nicht als gute Tat.
Den Entrepreneurship Summit im Livestream nachschauen
Die Stiftung hat den ganzen Tag aus dem Audimax auf YouTube übertragen, die Aufzeichnung ist rund neun Stunden lang. Mit diesen Sprungmarken kommt ihr direkt zu den Beiträgen:
| Uhrzeit im Saal | Programmpunkt | Im Livestream |
|---|---|---|
| 09:31 Uhr | Begrüßung und Band Gertrude | ab 0:20:00 |
| 09:43 Uhr | Günter Faltin | ab 0:31:30 |
| 09:52 Uhr | Helmut Schönenberger im Gespräch mit Günter Faltin | ab 0:41:00 |
| 10:31 Uhr | Alexander Straub | ab 1:20:00 |
| 10:42 Uhr | Felix Ahlers (FRoSTA) | ab 1:31:00 |
| 10:57 Uhr | Dr. Frank Hoffmann (discovering hands) | ab 1:46:00 |
| 11:05 Uhr | Susi Erdmann und Horst Lutz (Life Kinetik) | ab 1:54:00 |
| 11:21 Uhr | Proof of Concept mit sieben Teams | ab 2:10:00 |
| 12:19 Uhr | Panel: David gründet. Goliath lobbyiert. | ab 3:07:00 |
| 14:26 Uhr | Hallo wach mit Horst Lutz und ein Roboter | ab 5:15:00 |
| 14:40 Uhr | Keynote Christian Kroll (Ecosia) | ab 5:29:00 |
| 15:04 Uhr | Interviews mit Entrepreneuren | ab 5:53:00 |
| 16:02 Uhr | Panel: Funding the Future | ab 6:51:00 |
| 17:18 Uhr | Panel: Klimaschutz als Geschäftsmodell | ab 8:06:00 |
Entrepreneurship Summit am Sonntag: So geht es weiter
Am Sonntag, 18. Oktober, beginnt das Programm um 9:15 Uhr im Audimax mit Keynotes von Neurobiologe Gerald Hüther und Seriengründerin Anna Alex und einem Interview mit Cradle-to-Cradle-Pionier Michael Braungart. Am Nachmittag folgen das Finale des Proof of Concept und die Abschlusskeynote von Ali Mahlodji. Tickets gibt es über Eventbrite, mit dem Code GRUENDERFREUNDE 20 Prozent günstiger. Der Summit findet im Henry-Ford-Bau statt, Garystraße 35 in Berlin-Dahlem, nächster U-Bahnhof ist Freie Universität (Thielplatz) an der U3.
Häufige Fragen zum ersten Tag des Entrepreneurship Summit 2026
Wer ist Helmut Schönenberger?
Prof. Helmut Schönenberger ist Mitgründer und Chef von UnternehmerTUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung an der Technischen Universität München. Er hat Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart studiert und das Zentrum nach einem Aufenthalt im Silicon Valley mit Unterstützung von Susanne Klatten aufgebaut.
Was hat Helmut Schönenberger beim Entrepreneurship Summit gesagt?
Er beschrieb die Universität als Paradies, in dem Gründer gefahrlos scheitern können. Aus gut 1.000 Projekten an der TU München werden nach seinen Worten rund 150 Gründungen, von denen 85 Prozent erfolgreich sind. An der TUM gründet jeder 300. Studierende pro Jahr.
Warum verkaufte FRoSTA nach dem Reinheitsgebot nur noch die Hälfte?
Mit dem Reinheitsgebot von 2003 verzichtet FRoSTA auf Zusatzstoffe und Aromen. Die Produkte wurden laut Felix Ahlers 15 Cent teurer, Händler listeten aus, und der Absatz halbierte sich. Bis er sich erholte, vergingen nach seinen Worten rund drei Jahre.
Was ist der Proof of Concept beim Entrepreneurship Summit?
Beim Proof of Concept stellen Gründerteams ihr Produkt in einem einminütigen Pitch vor und verkaufen es danach live an die Gäste. Es gewinnt das Team mit dem höchsten Umsatz. 2026 treten sieben Teams an, das Ergebnis wird am Sonntag verkündet.
Was macht discovering hands?
discovering hands bildet blinde und sehbehinderte Frauen zu Medizinisch-Taktilen Untersucherinnen aus, die bei der Früherkennung von Brustkrebs die Brust abtasten. Gegründet hat es der Duisburger Frauenarzt Dr. Frank Hoffmann.
Kann man den Entrepreneurship Summit nachschauen?
Ja. Die Stiftung Entrepreneurship hat den Samstag im Audimax als Livestream auf YouTube übertragen, die Aufzeichnung steht auf dem Kanal EntrepreneurshipTV.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt. Grundlage ist der Livestream der Stiftung Entrepreneurship vom 17. Oktober 2026, den wir vollständig abgeschrieben und ausgewertet haben. Zitate geben den Wortlaut des Livestreams wieder, die Bilder sind Screenshots daraus.


















